Folgen des Klimawandels bringen Spinnen und Insekten in Bedrängnis

6. November 2014, 17:43
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Veränderte Niederschläge könnten Zahl der Gliederfüßer auf heimischen Feldern deutlich verringern

Wien - In Österreich wird sich die globale Erwärmung nach derzeit geltenden Klimamodellen vor allem durch seltenere, aber heftigere Regenfälle bemerkbar machen. Und das dürfte Spinnen und Insekten auf den heimischen Feldern unter Druck setzen. Österreichische Forscher stellten bei einem Beregnungs-Experiment von Weizenflächen fest, dass sich die Zahl der Individuen aus beiden Gliederfüßer-Gruppen in Zukunft um die Hälfte verringern könnte. Die Artenvielfalt blieb dagegen gleich.

Die Forscher unter der Leitung von Johann Zaller vom Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien besprenkelten dafür mehrere überdachte, etwa drei Quadratmeter große und mit Winterweizen bepflanzte Flächen entweder nach einem Niederschlagsschema, das den gegenwärtigen Verhältnissen im Marchfeld entspricht, oder mit einem vom Weltklimarat (IPCC) für Ende des Jahrhunderts (2071 bis 2100) für Zentraleuropa prognostizierten Regenmuster. Dann zählten und bestimmten sie die Insekten und Spinnen, die sie von dort einsammeln konnten.

Sie fanden in den nach dem zukünftigen Regenszenario bewässerten Weizenflächen - die um 15 Prozent stärkere Regenfälle, aber um ein Viertel mehr Trockentagen abbekamen - nur etwa halb so viele Gliederfüßer wie unter aktuellen Niederschlagsbedingungen. So war die Zahl der Spinnen um 47 Prozent reduziert, jene der Zikaden um 39 Prozent, und verschiedene Käfer endeten um 41 bis 64 Prozent weniger im Sammelbehälter. Florfliegen gab es sogar um 73 Prozent weniger, berichten sie. Bloß Schnecken gab es mehr (um 69 Prozent). Dies betraf jeweils nur die Zahl der Tiere, die Artenvielfalt änderte sich nicht, so die Forscher.

Probleme bei der Anpassung

Weil das verwendete Regenszenario nur "relativ moderate" Änderungen beinhaltet, sei ein solches Niederschlagsmuster schon in den kommenden Jahren möglich und nicht erst in ein paar Jahrzehnten, erklärte Zaller. Dementsprechend könnten sich die Spinnen und Insekten nicht allmählich daran anpassen, wie die Wissenschafter im Fachjournal "Frontiers in Environmental Science" schreiben.

Dass die Krabbeltiere dezimiert werden könnten, sei keineswegs als freudige Nachricht für die Landwirtschaft zu werten, so Zaller. Nur ein Bruchteil falle als "Lästling oder Schädling" auf, die meisten davon seien für Kulturpflanzen und verschiedene Tiere wichtig. "Sie bereiten wichtige Nährstoffe auf, bestäuben Blüten und schützen Pflanzen vor Krankheiten", erklärte er. Außerdem seien Insekten und Spinnen die wichtigste Nahrungsquelle für viele Vögel. (APA/red, derStandard.at, 06.11.2014)

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