Warum die Giganten des kreidezeitlichen Himmels nicht noch größer wurden

Video6. November 2014, 14:54
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Der schwierige und kräfteraubende Start setzte den Ausmaßen der Pterosaurier ein Limit

Berlin - Flugsaurier waren die ersten Wirbeltiere der Erdgeschichte, die eigenständig fliegen konnten. Während ihrer Blütezeit fanden sich in ihren Reihen die größten flugfähigen Geschöpfe, die je gelebt haben. Quetzalcoatlus northropi aus der Oberkreide etwa hätte am Boden einer Giraffe vermutlich ohne Probleme in die Augen schauen können. Seine Flügelspannweite betrug mehr als zehn Meter, bei einem Gesamtgewicht von über 200 Kilogramm. Dass sich Lebewesen mit diesen Ausmaßen überhaupt in die Lüfte erheben konnten, grenzt scheinbar an ein Wunder.

Wie die Flugsaurier das Kunststück zuwege brachten und ab welcher Größe Schluss mit der Fliegerei war, haben sich nun der britische Ingenieur Colin Palmer von der Bristol University und der Paläontologe Mike Habib von der University of Southern California genauer angesehen. Die beiden Wissenschafter schufen aus digitalisierten Pterosauria-Fossilien ein Computermodell, das sich beliebig skalieren ließ. Auf dieser Grundlage errechneten die Forscher die anatomischen Flügeleigenschaften, ihre Flexibilität und die Kraft, die notwendig war, um die fliegenden Echsen in der Luft zu halten.

Der Start ist das Problem

Die auf dem Jahrestreffen der Society of Vertebrate Paleontology in Berlin präsentierten Ergebnisse waren verblüffend: Zumindest im Modell konnten selbst Himmelsgiganten mit Flügelspannweiten von 12 Metern mit Hilfe der Thermik und eigenständigen Flügelschlägen weite Strecken fliegend zurücklegen. Auch eine sichere Landung dürfte kein Problem gewesen sein. Die wirklich Herausforderung für die großen Flugsaurier lag vielmehr darin, überhaupt vom Boden weg zu kommen.

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Das Video zeigt, wie man sich einen sogenannten "quadrupedal launch" der Pterosaurier vorstellen könnte.

Obwohl die Pterosaurier gegenüber modernen Vögeln den Vorteil hatten, dass sie alle vier Gliedmaßen für das Abheben vom Boden einsetzen konnten, was ihnen mehr Kraft verlieh, war ab einem gewissen Gewicht kein Abflug mehr möglich. Palmer und Habib kamen zu dem Schluss, dass ab 12 Meter Spannweite bzw. 400 Kilogramm Lebendgewicht die Energie, die nötig war, um sich in die Lüfte zu erheben, selbst mit dem vierbeinigen Start nicht mehr aufzubringen war. "Damit haben wohl die eisernen Gesetze der Physik den Flugsaurierern ein Größenlimit gesetzt", meint Palmer. (tberg, DER STANDARD, 07.11.2014)

  • Wäre da nicht dieser kräfteraubende Start, hätten Flugsaurier noch größer werden können.
    illustration: mark witton

    Wäre da nicht dieser kräfteraubende Start, hätten Flugsaurier noch größer werden können.

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