Euroraum: OECD warnt vor Stagnation

6. November 2014, 11:16
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Die Industriestaaten-Organisation fordert die Europäische Zentralbank zum Kauf von Staatsanleihen auf

Die Weltwirtschaft wächst weiter nur verhalten, die Erholung steht weiterhin auf tönernen Beinen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr weltweit um 3,3 Prozent zulegen, 2015 um 3,7 und 2016 um 3,9 Prozent, sagt die OECD voraus. Für die Eurozone wird in diesem Jahr ein Plus von 0,8 Prozent erwartet, das 2015 auf 1,1 und 2016 auf 1,7 Prozent steigen soll.

Die prognostizierten Wachstumsraten entsprechen damit auch jenen der EU-Kommission und bestätigen die OECD-Erwartungen vom September. Damals wurden im Zwischenbericht zur Weltwirtschaft für 2015 fast alle Konjunkturprognosen nach unten revidiert.

"Es ist uns noch immer nicht gelungen, weltweit ein umfassendes und nachhaltiges Wachstum zu erzielen – Investitionen, Kreditvergaben und der internationale Handel bleiben verhalten", sagt OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation des Papiers in Paris. "Die Finanzrisiken sind nach wie vor hoch und könnten dazu führen, dass sich Marktschwankungen verstärken. Vor allem im Euroraum besteht die Gefahr einer Stagnation."

EZB soll Staatsanleihen kaufen

Die OECD fordert die Europäische Zentralbank (EZB) zum Kauf von Staatsanleihen auf. "Angesichts der sehr schwachen Konjunktur und der Deflationsgefahr sollte die EZB ihre geldpolitischen Maßnahmen erweitern", erklärte die OECD in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Ausblick für die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). "Das sollte die Verpflichtung zu umfangreichen Wertpapierkäufen umfassen - und zwar so lange, bis die Inflation wieder auf Kurs ist." Auch Staatsanleihen sollte die EZB dabei erwerben.

Die OECD begründete ihren Vorstoß mit der anhaltenden Konjunkturflaute. Die Arbeitslosigkeit bleibe hoch, die Konsumausgaben sind dagegen schwach, ebenso wie die Investitionen. Der Aufschwung in den USA sei zwar robuster als gedacht. Dafür tue sich Japan schwerer als erwartet, aus der Deflation herauszufinden. Die großen Schwellenländer entwickelten sich unterschiedlich. In China verlangsame sich das Wachstum, während es in Indien wieder anziehe. In Russland und Brasilien bleibe die Konjunktur vorerst schlapp.

EZB bereitet Maßnahmen vor

Die EZB bereitet sich auf weitere Maßnahmen im Kampf gegen die zu niedrige Inflation vor. Der Rat der EZB habe seinen Mitarbeiterstab beauftragt, rasch weitere Instrumente für den Notfall vorzubereiten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Diese Instrumente sollten jedoch nur eingesetzt werden, wenn die bereits beschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen den geringen Preisauftrieb und die Konjunkturschwäche nicht ausreichten. Spekuliert wird etwa über den Kauf von Unternehmens-, aber auch von Staatsanleihen. Zunächst lockerte die Notenbank ihre Geldpolitik am Donnerstag nicht weiter. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. (red, derStandard.at, 6.11.2014)

Hier geht es zum OECD-Ausblick (pdf)

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