AC/DC-Schlagzeuger wegen mutmaßlichen Mordkomplotts verhaftet

6. November 2014, 07:46
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Gerichtsverfahren gegen Phil Rudd in Neuseeland - Zweiter schwerer Schlag für Band kurz vor neuem Album und geplanter Tour

Wellington - Er war der Taktgeber auf dem AC/DC-Album "Highway To Hell", das den Grundstein für eine der erfolgreichsten Rockband-Karrieren aller Zeiten legte. Seit Donnerstag muss sich AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd in Neuseeland wegen der Planung eines Mordes, Todesdrohungen und Drogenbesitzes verantworten.

Der Fall ist der zweite schwere Schlag für die Band binnen kurzer Zeit: Erst jüngst war bekannt geworden, dass Bandgründer Malcolm Young an einer Demenzerkrankung leidet.

Der 60-jährige Rudd wurde in Taurunga auf der Nordinsel Neuseelands einem Gericht vorgeführt und später auf Kaution freigelassen. Laut den Gerichtsdokumenten soll Rudd Ende September versucht haben, einen Auftragstäter für die Ermordung zweier Männer anzuheuern. Um wen es sich bei den potenziellen Opfern handelte, ließ das Gericht offen. Dem in Australien geborenen Musiker drohen für die Mordpläne bis zu zehn Jahre Haft.

Weiterer Gerichtstermin am 27. November

Bei der Durchsuchung von Rudds Anwesen an der Küste in der Nähe von Taurunga fand die Polizei Metamphetamine und Cannabis. Bei dem kurzen Auftritt vor Gericht wirkte Rudd müde, er war ungekämmt und trug keine Schuhe.

Rudds Anwalt bat vergeblich darum, Aufnahmen von der Verhandlung zu untersagen, weil die Medienvertreter den Verdächtigen in seinem "schlimmsten" Moment zeigen wollten. Der Richter lehnte das Ansinnen ab. Kamerateams hielten später fest, wie Rudd in einem silberfarbenen Mercedes vom Gericht weggebracht wurde. Der nächste Gerichtstermin wurde auf 27. November festgesetzt.

Der Schlagzeuger gilt als ebenso geniales wie schwieriges Bandmitglied. Unter anderem wegen Drogeneskapaden überwarf er sich Anfang der 80er-Jahre mit Bandchef Malcolm Young. 1983 folgte der Rauswurf, nur drei Jahre nach Veröffentlichung des Albums "Back in Black", einem der meistverkauften Alben überhaupt.

1994 kehrte Rudd zu AC/DC zurück und gehörte wieder zur Formation, die 2003 in die Ruhmeshalle "Rock'n'Roll Hall of Fame" aufgenommen wurde. Im Jahr 2010 fand die neuseeländische Polizei Cannabis auf seinem Boot. Rudd kam mit einer Geldstrafe von 250 Neuseeland-Dollar (rund 150 Euro) davon. Der gebürtige Australier lebt seit mehr als 30 Jahren in Neuseeland und betreibt in Tauranga das Restaurant "Phil's Place".

Neues Album

Fast 40 Jahre nach Erscheinen ihres Erstlingswerks "High Voltage" im Februar 1975 kommt am 28. November das neue Album "Rock or Bust" (Sony) in den Handel. Für das kommende Jahr plante die Band, die nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Album verkauft hat, eine Jubiläumstour. Mitglieder von AC/DC hielten sich am Donnerstag zu Werbeterminen in Deutschland auf, waren aber zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Rückkehr der Altrocker sechs Jahre nach ihrem letzten Album "Black Ice" wurde Ende September von der Nachricht überschattet, dass Malcolm Young nach einem Unfall an schwerer Demenz leidet. Malcolms Neffe Stevie Young sollte deshalb auf der geplanten Welttournee anstelle seines Onkels die Rhythmusgitarre spielen.

Nach dem offiziellen Band-Aus für Malcolm rückte dessen Bruder, der für seine Auftritte in Schuluniformen bekannte Gitarrist Angus Young, an die Spitze der Rockformation. "Es wird nie passieren, dass sich Angus zur Ruhe setzt, und solange werde ich es auch nicht tun", sagte Rudd noch vor kurzem. (APA, 6.11.2014)

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    Phil Rudd verlässt das Gerichtsgebäude in Tauranga, Neuseeland.

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