It-Girl Brandolini: "Tattoos sind kein Schmuck"

Interview7. Jänner 2015, 15:41
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Sie gehört zu einer Gruppe von It-Girls, die in allen Klatschmagazinen zu sehen sind. Die Großmutter stammt aus dem Agnelli-Clan, die Eltern dürfen sich Grafen nennen, Fiat-Erbe Lapo Elkann war ihr Freund. Für Amsterdam Sauer hat Bianca Brandolini eine eigene Schmuckkollektion designt

Im Café de Flore in Paris geht es zu wie in einem Bienenstock, doch in der ersten Etage, in der Bianca Brandolini d'Adda bei einem späten Frühstück sitzt, ist es fast menschenleer und ruhig. Die 27-Jährige trägt Jeans, ein ärmelloses weißes T-Shirt und flache Schlüpfer mit Leopardenfelldruck. Um den Hals ein enganliegender Goldreif mit dunklen Opalen, der mit drei kleinen Diamanten besetzt ist. Es ist ein Stück aus der dreißigteiligen Schmuckkollektion, die in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Juwelier Amsterdam Sauer entstand und im Herbst in Paris vorgestellt wurde.

Die Tochter von Conte Ruy und Contessa Georgina Brandolini d'Adda, die am Canal Grande einen Palast besitzen, wuchs zwischen Frankreich, Italien und Brasilien auf. Zu ihren engen Freunden zählt sie den Designer Giambattista Valli, bei dessen Shows sie meist in der ersten Reihe zu sehen ist. Wegen ihrer langjährigen Liebesbeziehung zu ihrem Cousin zweiten Grades, Lapo Elkann, landete sie in allen Klatschspalten dieser Welt.

STANDARD: Früher hätte man Sie zum Jetset gezählt. Heute werden Frauen wie Sie als It-Girls bezeichnet. Wie gefällt Ihnen dieser Ausdruck?

Bianca Brandolini: It-Girl, wenn ich das schon höre! Ein schrecklicher Ausdruck.

STANDARD: Dabei wurde er von Yves Saint Laurent kreiert, im Jahre 1977. So bezeichnete er Frauen, die für ihn etwas Besonderes darstellten wie etwa Marisa Berenson, die seine Muse war.

Brandolini: Meist wird es aber mit "Sie kann nichts, und sie tut nichts - außer gesehen zu werden" assoziiert.

STANDARD: Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

Brandolini: Ich bin Designerin, aber auch Model und Schauspielerin.

STANDARD: Es gibt derzeit eine ganze Gruppe dieser sogenannten It-Girls. Dazu gehören Tatiana Santo Domingo, Margherita Missoni, Eugenie Niarchos und auch Ihre Schwester Coco Brandolini d'Adda. Sie alle sind junge Frauen aus gutem und wohlhabendem Haus.

Brandolini: Wir haben uns nicht erst vor ein paar Jahren über die Modeszene kennengelernt, sondern kennen uns von Kindesbeinen an. Diese It-Girl-Bewegung ist seltsam, besonders auf Partys fällt es mir auf: In einem Eck stehen die englischen It-Girls, in einem anderen die italienischen, dazwischen die DJ-It-Girls, sie alle stehen in ihren Gruppen und mischen sich nicht, wie verschiedene Clans. Das Ganze ist ein bisschen absurd.

STANDARD: Als "It-Girl" ergeben sich für Sie viele berufliche Möglichkeiten. So wurden Sie von Dolce & Gabbana für drei Jahre unter Vertrag genommen. Auf ein Casting mussten Sie dafür nicht gehen, oder?

Brandolini: Ich bin auch kein herkömmliches Model. Für diese Kampagne stand ich mit der italienischen Schauspielerin Monica Bellucci vor der Kamera. Es war eine interessante Erfahrung. Da ich einen Exklusivvertrag hatte, konnte ich absolut nichts anderes machen. Ich repräsentierte das Modehaus, indem ich ständig Dolce & Gabbana trug und von einem Roter-Teppich-Event zum anderen flog. Ich war an wunderbaren Orten und traf wunderbare Menschen, aber nach drei Jahren hatte ich große Lust, wieder mein eigener Herr zu sein.

STANDARD: Aber durch Ihre stetige Medienpräsenz kennt man Sie jetzt noch besser.

Brandolini: Ich habe in meinem Leben eine einzige Modeschau gemacht. Die war für Valentino Garavani - als Valentino noch designte.

STANDARD: Valentino Garavani kannten Sie zu dieser Zeit schon lange, nicht wahr?

Brandolini: Er ist ein Freund der Familie. Es war seine letzte Modeschau, und ich wusste: jetzt oder nie. Damals war ich sechzehn Jahre alt.

STANDARD: Und wie gefiel es Ihnen auf dem Laufsteg?

Brandolini: Es war mir völlig schleierhaft, dass man um sieben Uhr früh schon vor Ort sein musste, um geschminkt und frisiert zu werden, wenn die Modeschau erst um 13 Uhr beginnt. Ich war fürchterlich nervös. Meine Mutter war von Anfang an dagegen, sie meinte: "Ich will nicht, das du modelst, Models werden schlecht behandelt."

STANDARD: Ihre Mutter, Georgina Brandolini, galt als Valentinos Muse.

Brandolini: In erster Linie sind Valentino und meine Mutter gute Freunde. Freunde, die sich gegenseitig inspirieren. Wir lebten in Paris, und er verbrachte viel Zeit mit uns, wir fuhren gemeinsam auf Urlaub, und meine Mutter reiste mit ihm, wenn er beruflich unterwegs war. Später arbeitete sie als seine PR-Agentin.

STANDARD: Auch Ihre Großmutter väterlicherseits, Cristiana Agnelli, die Schwester des legendären Fiat-Bosses Gianni Agnelli, ist bis heute eine Stilikone und Muse diverser Designer. Hat man so etwas in den Genen?

Brandolini: Ich wuchs mit talentierten, kreativen Menschen auf. Das prägt. Meine Großmutter hat einen außergewöhnlichen Stil und Geschmack. Sie hat ein unglaubliches Gefühl für Farben und Materialien. Sie ist exzentrisch und verspielt und zieht sich dementsprechend interessant an. In ihrer Generation war man von Kopf bis Fuß durchgestylt: farblich abgestimmte Kleidung, die passende Handtasche, die passende Frisur, der passende Schmuck.

STANDARD: Sie selbst präsentierten vor kurzem hier in Paris eine Schmuckkollektion, die in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Juwelier Amsterdam Sauer entstand. Ließen Sie sich von Familienschmuck inspirieren?

Brandolini: Ja, zum Teil. Meine Großmutter besitzt fantastische Einzelstücke von Bulgari und Cartier. Da meine Mutter halbe Französin und halbe Brasilianerin ist, verbringe ich viel Zeit in ihrem Haus in Rio und in Bahia, in Trancoso. Das Meer und das Lebensgefühl in Brasilien sind mir eine ständige Inspiration.

STANDARD: Tragen Sie heute Schmuck aus Ihrer Kollektion?

Brandolini: Ja, das Halsband und die Armbänder sind ein kleiner Teil meiner Kollektion. Ich arbeitete viel mit barocken Perlen, aber auch Opalen. Ich bin richtig besessen von diesem faszinierenden Edelstein. Es ist der einzige Stein, der Wasser enthält. Meine Kollektion besteht quasi aus zwei Teilen: Schmuck, den man jeden Tag tragen kann, so wie ich heute, und dann die Schmuckstücke mit Opalen, zum Beispiel aus der Serie "Mustique", die man eher zu besonderen Anlässen trägt. (Sie zieht ihr iPhone aus der Handtasche, um Fotos der Schmuckstücke zu zeigen.) Schauen Sie: Diese Kette trug ich zur Präsentation der Kollektion. Sie ist aus Diamanten zusammengesetzt, und der Opal hat eine Größe von fünf Zentimetern. Zuerst dachte ich mir, dieser Stein ist einfach zu groß, um ihn zu tragen, aber es sah schlichtweg wunderbar aus. Wenn man mit verschiedenen Steinen arbeitet, spürt man, dass jedem eine eigene Kraft innewohnt.

STANDARD: Um Ihre Handgelenke haben Sie verschiedene Armreifen und Goldkettchen. Auf Ihren Handgelenken haben Sie einige Tätowierungen. Sind Tätowierungen Schmuck?

Brandolini: Nein, nein, Tattoos sind kein Schmuck! Sie sind irgendwie aus den verschiedensten Lebenssituationen und Gemütszuständen heraus entstanden. Das erste Tattoo war dieses hier, das vierblättrige Kleeblatt. Den Marienkäfer ließ ich mir zur Geburt meiner ersten, den Stern zur Geburt meiner zweiten Nichte tätowieren. Und dieses hier, das Auge gegen den bösen Blick, ließ ich mir vor kurzem in Los Angeles machen.

STANDARD: Und was bedeuten diese beiden hier? "Cherie" und "L E"?

Brandolini: L E - das ist mein Exfreund.

STANDARD: Den Exfreund tragen Sie noch immer am Handgelenk?

Brandolini: Es gefällt mir einfach. Außerdem mag ich meinen Exfreund. Ich finde ihn wunderbar. Auch er hatte meine Initialen eintätowiert. Nach unserer Trennung ließ er sich einen Löwen darübertätowieren. Da war ich ganz schön gekränkt.

STANDARD: Kann man verstehen. Haben Sie einen Lieblingsstein?

Brandolini: Ja, den Diamanten.

STANDARD: Oh, was für ein Klischee!

Brandolini: Ich weiß. Meine Schwester und meine Mutter lieben Farbedelsteine, aber ich liebe Diamanten, besonders die raren wie den blauen oder rosa Diamanten.

STANDARD: Ich glaube, Sie brauchen einen Richard Burton in Ihrem Leben.

Brandolini: Das glaube ich auch. Wie Elizabeth Taylor schon sagte: "Big girls need big diamonds." (Cordula Reyer, Rondo Exklusiv, DER STANDARD, Herbst/Winter 2014)

  • Bianca Brandolini im Mai 2014 bei einer Veranstaltung während des Filmfestivals in Cannes.
    foto: reuters/tessier

    Bianca Brandolini im Mai 2014 bei einer Veranstaltung während des Filmfestivals in Cannes.

  • Bianca Brandolini mit ihrem Exfreund Lapo Elkann.
    foto: ap/paris

    Bianca Brandolini mit ihrem Exfreund Lapo Elkann.

  • Stücke aus Brandolinis Schmuckkollektion für Amsterdam Sauer.
    fotos: bianca brandolini (2), fairchild photo service / condé nast / corbis

    Stücke aus Brandolinis Schmuckkollektion für Amsterdam Sauer.

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