Die Last der unwendigen Urgesteine

5. November 2014, 17:45
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Große, weltweit aktive Konzerne sind oft nicht wirklich wendig. Sowohl Gastroketten als auch die IT- und Modebranche kämpfen mit wechselfreudiger Kundschaft

Wien - Die jüngsten US-Quartalsergebnisse zeigen einen Trend: Die "alten" Konzerne haben es teilweise schwer, mit der jungen Konkurrenz mitzuhalten. Aus dem Gastronomiebereich gilt McDonald's als Beispiel. Die Burgerkette hat in den USA zuletzt bei Umsatz, Gewinn und Marktanteilen verloren, weil Kunden entweder noch billigeres Fast Food kaufen oder aber auf gesündere Alternativen setzen wie Chipotle Grill, Shake Shack oder Panera Bread, die auch mit Suppen oder der freien Wahl von Saucen und Garnierungen den Kundentrend besser ansprechen. "Diese Ketten bilden den neuen Zeitgeist besser ab", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin des UniCredit Private Banking. In absoluten Zahlen dominierten freilich McDonald's und Co die Landschaft, "beim Wachstum führen aber die jüngeren Ketten", sagt Rosen-Philipp.

IT-Riesen im Wandel

Zu beobachten ist dieser Trend auch im Technologie-Sektor. IBM etwa hat sich vom Hardware-Konzern wegentwickelt, die PC-Sparte verkauft und zuletzt mit Dienstleistungsverträgen gepunktet. Dennoch tut sich das Unternehmen schwer, vom IT-Urgestein zum modernen Tech-Konzern zu werden. Chefin Ginni Rometty will IBM nun umbauen und setzt auf die Geschäftsfelder Cloud-Computing, Big Data, Sicherheit und mobile Dienste. Dennoch ziehen in diesen Bereichen andere Anbieter - etwa Microsoft - davon. "Die Frage ist, wie Unternehmen oder Konzerne es trotz ihrer Größe und Komplexität schaffen, Wendigkeit zu entwickeln, um an Trends anknüpfen zu können", fasst Rosen-Philipp die Herausforderung zusammen. Denn auch im Technologiebereich gehöre das Wachstum Facebook, Twitter und Co. Die Ausnahme hierbei ist freilich Apple, das mit seinen technologischen Revolutionen neue Standards definiert hat.

Bekleidungssektor mit Problemen

Auch wenn das Wachstum jetzt den jüngeren Unternehmen gehöre, "müssen diese aber erst beweisen, dass sie sich zehn, zwanzig Jahre am Markt halten können", sagt Rosen. Der Bekleidungssektor kämpft mit ähnlichen Problemen. Nur wenige Marken schaffen es, im Trend zu bleiben. "Ralph Lauren ist es gelungen, über Jahrzehnte hinweg relevant zu bleiben", nennt Rosen ein Beispiel. Aber Marken wie Gap oder Tommy Hilfiger kämpften zunehmend um ihren Ertrag. Begehrt sind in diesem Bereich vor allem Teenager, denen im US-Einzelhandel eine Marktgröße von 260 Mrd. US-Dollar zugeschrieben wird. Die Teenies seien als Zielgruppe begehrt, "werden aufgrund der Kurzlebigkeit ihres Geschmacks aber auch gefürchtet", sagt Rosen-Philipp. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 6.11.2014)

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    McDonald's laufen die Kunden davon. Diese essen sich lieber in Ketten satt, die ein gesünderes Image vermitteln.

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