Verwirrspiel um Ölbohrfirma CAT Oil

5. November 2014, 16:20
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Der neue Großaktionär Joma sorgt mit seinen Absichten beim heimischen Öl- und Gasdienstleister für Ratlosigkeit

Wien - Um die heimische CAT Oil tobt ein Machtkampf. Ende Oktober wurde bekannt, dass der fast ausschließlich in Russland tätige Öl- und Gasfelddienstleister zum Übernahmeziel für die Joma Industrial Source Corp. geworden, die ihren Sitz auf den Britischen Jungferninseln hat. Man habe am 27. Oktober mittelbar 47,7 Prozent der Stimmrechtsanteile erworben, teilte Joma am 31.Oktober mit. Folglich werde man den übrigen Aktionären ein Pflicht-Übernahmeangebot unterbreiten. Die Nachricht verhalf der CAT-Oil-Aktie zu einem Luftsprung an der Börse verholfen.

Einfluss ausbauen

Der neue Großaktionär will nun seinen Einfluss auf die Firma mit rechtlichen Mitteln ausbauen, wie CAT Oil am Mittwoch mitteilte. Der Vorstand des Unternehmens habe das Verwirrspiel jedoch satt und forderte den Investor auf, seine Absichten "zeitnah offenzulegen", heißt es in der Aussendung.

Im Zentrum des Machtkampfs steht die Gesellschaft CAT Holding, die knapp 48 Prozent CAT Oil hält. Diese Gesellschaft wiederum gehörte bis vor kurzem zu 50,25 Prozent mehrheitlich dem Hamburger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Walter Höft sowie zu 49,75 Prozent CAT-Oil-Vorstandsmitglied Anna Brinkmann. Brinkmann hält darüber hinaus direkt elf Prozent der CAT-Oil-Aktien, 41 Prozent stehen in Streubesitz.

Wer genau hinter Joma steht, ist eben unklar. Bekannt ist lediglich, dass das Unternehmen mit einem früheren Manager der Ölfeldservice-Firma Schlumberger, Maurice Dijols, "verbunden" ist. Das Verwirrspiel hat auch die Finanzbehörden in Deutschland und Österreich auf den Plan gerufen. Die Übernahmekommission bei der Wiener Börse und die Bafin hatten erklärt, sie würden den Fall prüfen.

Verkauf von Firmenanteilen

Höft hatte mitgeteilt, ihm liege kein urkundlicher Nachweis darüber vor, dass seine Anteile tatsächlich an Joma übertragen worden seien. Joma habe die Aktien im Zuge einer Call-Option erworben. Wie es überhaupt zu dieser Call-Option kam, ist aber unklar. Höft war dazu nicht zu erreichen. Er habe lediglich mitgeteilt, der Verkauf seiner Anteile sei "nicht geplant" gewesen, wie CAT Oil erklärte. Auch das CAT-Oil-Management habe nichts von der Option gewusst, sagte eine Sprecherin.

Joma will sich mit der Mehrheit am Großaktionär aber offenbar nicht zufrieden geben, wie CAT Oil mitteilte: Die Gesellschaft stelle die Beteiligung von Anna Brinkmann an der CAT Holding in Frage und habe bei einem Bezirksgericht in Nikosia in Zypern eine entsprechende Klage eingebracht. Dort hat die Gesellschaft, über die Brinkmann ihre Anteile hält, ihren Sitz. "Anna Brinkmann wird ihre Interessen unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten verteidigen", hieß es in der Mitteilung. CAT Oil zeigte sich ratlos: "Bisher liegen die Intentionen des vermeintlichen neuen Großaktionärs im Dunkeln", so Vorstandschef Manfred Kastner in der Aussendung. (Reuters/red, derStandard.at, 5.11.2014)

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