Kritik an YouTube wegen Datenweitergabe an Islamisten 

5. November 2014, 14:57
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Radikale meldeten Urheberrechtsansprüche an, um so Daten von Islamkritikern zu erlangen

Grundsätzlich ist das Prozedere nicht problematisch: Streiten sich zwei Parteien um Urheberrechtsansprüche auf YouTube, will Googles Videoplattform den Kontakt zwischen den beiden Seiten herstellen, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen. Durch einen Missbrauch dieser Vorgehensweise geriet nun allerdings der Mitarbeiter eines islamkritischen YouTube-Kanals ins Fadenkreuz von Extremisten.

Vermeintliche Urheberrechtsverstöße

So wurde der Sender "Al Hayat TV", der von der Frauenrechtlerin Sabatina James und dem einstigen Islamisten Barino Barsoum geleitet wird, vor kurzem von YouTube wegen vermeintlichen Urheberrechtsverstößen kontaktiert: Eine Person namens "FirstCrist" hatte angemeldet, Rechte auf Al Hayats Inhalte zu besitzen. Tatsächlich produziert Al Hayat aber sämtliche Videos selbst, benutzt auch keine vorgefertigten Clips.

Sperre drohte

Dennoch musste der islamkritische Sender reagieren – denn Google drohte ihm mit der Schließung, sollten noch weitere Copyright-Beschwerden folgen. Die Videoplattform machte auch dann keine Ausnahme, als Sabatina James mehrfach eine mögliche Gefährdung aufgrund der politisch-religiösen Ausrichtung ihres Kanals geltend machte. Die E-Mails, die der FAZ vorliegen, wurden ignoriert. Daraufhin gab Al Hayat notgedrungen die Kontaktdaten eines Mitarbeiters bereit, der sich damit einverstanden erklärt hatte.

Untertauchen

Dieser Mann muss nun untertauchen, da er auf mehreren "schwarzen Listen" des Terrornetzwerks Al-Kaida aufgetaucht ist. Zahlreiche jihadistische Websites verbreiten nun Adresse und Foto des Mitarbeiters weiter, außerdem geraten Sabatina James und Barino Barsoum erneut ins Visier der Terrorunterstützer. Google wollte sich zu der Causa nicht weiter äußern, eine Sprecherin betonte gegenüber der FAZ, dass Privatsphäre sehr ernst genommen werde, bei Urheberrechtsverstößen aber kein Weg an der Kontaktvermittlung vorbeiführe. (fsc, derStandard.at, 5.11.2014)

  • Mitarbeiterin von Al Hayat TV, das unter anderem von der Islamkritikerin Sabatina betreut wird, geraten ins Visier von Extremisten
    foto: screenshot

    Mitarbeiterin von Al Hayat TV, das unter anderem von der Islamkritikerin Sabatina betreut wird, geraten ins Visier von Extremisten

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