Von "Genderwahn" bis "We are unstoppable": Die Kandidaten für das (Un-)Wort des Jahres

5. November 2014, 13:01
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Zitierfähige Aussagen in fünf Kategorien: Am 4. Dezember werden die Sieger bekanntgegeben

Wien/Graz - Die Kandidatenliste für das Wort des Jahres 2014 steht fest: Auf oewort.at kann ab sofort in den Kategorien Wort, Unwort, Jugendwort, Spruch und Unspruch des Jahres abgestimmt werden. Die Ergebnisse werden am 4. Dezember veröffentlicht.

Wie so oft prägt dabei die Politik das Bild: Eine Möglichkeit für das Wort des Jahres ist zum Beispiel der Ausdruck "Freundsche Versprecher", der einige Fehlleistungen des SPÖ-Spitzenkandidaten Eugen Freund für die Europawahl aufs Korn nimmt. Neos-Chef Matthias Strolz hat es mit "herumstrolzieren" zu einem Kandidaten gebracht, ebenso wie Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ), der das Wort "situationselastisch" kreierte. Dazu kommt das im Zuge der Diskussion über Ulrich Seidls Film "Im Keller" wieder aufgetauchte "Kellernazi".

Fließende Grenze zwischen Wort und Unwort

Ein aus den Onlineforen nicht ganz unbekanntes Wort ist ebenfalls mit dabei: "Genderwahn" - die Grenze zum Unwort des Jahres verläuft offenbar (nicht zum ersten Mal in diesem Bewerb) fließend.

Unter den Kandidaten für das Unwort des Jahres finden sich dafür Andreas Mölzers (FPÖ) "Negerkonglomerat", außerdem "Putin-Versteher", der modische Anglizismus "committen", "Kampfradler" und "Tugendterrorist".

Älteren Semestern dürften wie immer einige Kandidaten für das Jugendwort 2014 Rätsel aufgeben: etwa neue Bedeutungen von "dick" und "Opfer". "Selfie" ist dafür spätestens seit der Oscar-Verleihung generationsübergreifend verständlich. Dazu kommen unter anderen "Photoshopmuskeln" und "snappen".

Zitierfähiges

Beim Spruch des Jahres hat Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst gleich zwei Kandidaten im Rennen: Sie selbst meinte nach dem Gewinn "We are unstoppable", während ORF-Moderator Andy Knoll nach ihrem Sieg ein "Jetzt hat uns die den Schaas gwonnen" herausrutschte. Ein Konkurrent könnte eine Bemerkung von Grünen-Politiker Peter Pilz werden, der kürzlich meinte: "Die Fußfessel darf kein Goldketterl werden."

Beim Unspruch des Jahres könnte die ehemalige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner zu zweifelhafter Ehre kommen, die in einem Interview, auf öffentliche Hinrichtungen in Saudi-Arabien angesprochen, gesagt hatte: "Das ist nicht jeden Freitag." Zumindest den Preis für das Understatement des Jahres hätte sich eine Aussage Karl Habsburgs über den Ersten Weltkrieg verdient: "Es ist nicht alles optimal gelaufen."

Der weitere Ablauf

Die Ergebnisse der Abstimmung werden von einer Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz in Kooperation mit der Austria Presse Agentur bekanntgegeben. Zur Auswahl der Kandidatenwörter wurde die APA-Onlinedatenbank AOM herangezogen.

2013 waren "Frankschämen" zum Wort und "inländerfreundlich" zum Unwort des Jahres gewählt worden, "whatsappen" gewann als Jugendwort. (red/APA, 5.11.2014)

  • Bevor es Postings dazu gibt: Die Wissenschaft ist das einzige Ressort, das bislang keine Möglichkeit hatte, ein Bild von Conchita Wurst zu verwenden. Gönnen Sie's uns!
    foto: ap photo/ronald zak

    Bevor es Postings dazu gibt: Die Wissenschaft ist das einzige Ressort, das bislang keine Möglichkeit hatte, ein Bild von Conchita Wurst zu verwenden. Gönnen Sie's uns!

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