Neurorehabilitation: Maßnahmen maßschneidern

5. November 2014, 11:52
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Defizite nach Schlaganfall oder Kopfverletzungen können mit gezielten Programmen kompensiert werden - der Bedarf in Österreich steigt

"Der Bedarf an Neurorehabilitation steigt beständig an. Die akutmedizinische Versorgung nach Schlaganfällen oder Unfällen wird immer besser, immer mehr Patienten überleben. Allerdings benötigen viele Rehabilitationsmaßnahmen, die ihnen die Rückkehr in ein im Idealfall wieder normales Leben ermöglichen", sagt Walter Oder vom Rehabilitationszentrum Wien-Meidling der AUVA und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation.

Schwerpunkt dieser Neurorehabilitation sind Übungstherapien wie Physio- und Ergotherapie, Logopädie, neuropsychologisches Training, Sehschule. Ziel der Maßnahmen ist die bestmögliche Rückbildung der entstandenen Schäden, um Funktionseinbußen zu kompensieren.

Das betrifft Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Störungen der Kognition, der Aufmerksamkeit oder des Verhaltens. "Betroffene sind oft ängstlich, zeigen Depressionen und Störungen des Sozialverhaltens. Um solche Zustandsbilder behandeln zu können, benötigt man auch Medikamente und eine spezialisierte psychologisch-psychotherapeutische Betreuung", so Oder- Auch das soziale Umfeld der Patienten sollte so weit wie möglich in diesen Prozess eingebunden werden.

Nach Schlaganfall früh mit dem Training starten

Die Rehabilitation sollte möglichst früh beginnen, im Fall einer langen Bewusstlosigkeit bereits im Krankenhaus mit speziellen Maßnahmen zur Stimulation. Nach der Frührehabilitation folgt die Phase der klassischen stationären Rehabilitation, die viele Patienten auch nach ihrem Aufenthalt in der Reha-Klinik mit ambulanten Programmen fortsetzen. Dabei kommen auch Mal- oder Kunsttherapien zum Einsatz.

Die Ziele der Neurorehabilitation hängen von der Art der Erkrankung oder Verletzung und von der individuellen Situation des Patienten ab. Oder: "Bei jungen Menschen geht es nach akuten Ereignissen darum, sie vollständig wiederherzustellen. Im Idealfall kann man Patienten dorthin zurückbringen, wo sie vor dem Unfall oder vor der Erkrankung gestanden sind, mit möglichst wenig verbleibenden Defiziten.

Alter ist ein Faktor

Das gelingt natürlich nicht immer, aber junge, gesunde Menschen haben die besten Chancen, sich beispielsweise von einer Kopfverletzung wieder komplett zu erholen." Je älter ein Patient und je schwerer die Verletzung oder Schädigung ist, desto ungünstiger die Prognose.

Darüber hinaus trägt auch das soziale Umfeld zu den Heilungschancen bei. Es muss für jeden Patienten ein individueller Plan erstellt und die Prognose individuell betrachtet werden. Dabei helfen auch CT und MRT sowie neurophysiologische Untersuchungen, mit denen festgestellt wird, wie schwer die entstandenen Schäden am Gehirn und Nervensystem sind. "Neurorehabilitation kann Wochen, Monate, Jahre dauern", sagt Oder. (red, derStandard.at, 5.11.2014)

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