Bei 150 Freunden ist auch im virtuellen Raum Schluss

4. November 2014, 17:50
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Netzwerkforscher: Virtuelle Gesellschaft "fraktal" organisiert

Wien - Vor über 20 Jahren behauptete der britische Anthropologe Robin Dunbar, dass wir nur maximal 150 Freunde haben können. Mehr würden uns und unser Gehirn überfordern. Die Freundeszahlen bei Facebook scheinen dem zu widersprechen. Doch wie nun Stefan Thurner (Med-Uni Wien) mit seinem Team anhand der Daten eines Online-Rollenspiels zeigt, scheint die sogenannte Dunbar-Zahl auch im virtuellen Raum zu gelten. Zudem konnten die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports" zeigen, dass diese Beziehungsnetzwerke fraktal organisiert sind, also in Gruppen, deren Größen je etwa um das Vierfache steigen, während die Beziehungen stufenweise oberflächlicher und die Kontakte seltener werden.

Die Forscher hatten dazu die Beziehungen der "Händler, Piraten, Schmuggler und anderen Piloten" des Online-Spiels "Pardus" untersucht, in dem mittlerweile über 400.000 Spieler seit zehn Jahren "um Wohlstand und Ehre im Weltall ringen", wie es auf der Homepage des von Thurners Kollegen Michael Szell entwickelten Spiels heißt. "Wir haben jede Aktion von jedem Spieler aufgezeichnet und damit von einer zwar künstlichen, aber menschlichen Gesellschaft vollständige Information", so Thurner. Dieser Datensatz sei einzigartig.

"Freundschaftsallianz" aus 136 Spielern

So konnten sie auch analysieren, wer mit wem wie oft Kontakt pflegt, und welche Spieler einander als "Freunde" bezeichnen. Die Spieler organisierten ihre sozialen Online-Beziehungen, so wie dies auch in der realen Welt geschieht, so die Forscher. Die größte "Freundschaftsallianz" in "Pardus" sei 136 Spieler, was dem psychologischen Limit von 150 Freunden in der realen Welt sehr nahe kommt, berichten sie.

Zwar gebe es etwa bei sozialen Netzwerken wie "Facebook" Personen, die mit tausenden "Freunden" angeben können, doch: "das sind keine Freunde in dem Sinn, dass man mit ihnen Kontakte pflegen muss, sich merken muss, wie es deren Großmutter geht, was sie im Job machen, et cetera", erklärte Thurner. Dies funktioniere offenbar nur vernünftig mit bis zu 150 Personen, meint er. (tasch, APA, DER STANDARD, 5.11.2014)

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