Pendler als umkämpfte Wähler in Niederösterreich

5. November 2014, 05:30
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Die Grünen fordern mehr kleinräumige Verkehrslösungen und mehr Geld für Öffis, die ÖVP nennt Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro

St. Pölten / Wien - Wenn sich ÖVP und Grüne in Niederösterreich um Wählerstimmen von Pendlern bemühen, dann läuft das so ab: Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) spricht von Milliardensummen, die bis zum Jahr 2019 in dem Bundesland investiert werden sollen: 2,5 Milliarden in die Öffis und 1,8 Milliarden in die Straßen. Die Grünen Niederösterreich operieren mit kleineren Summen: Um 1,1 Millionen Euro könnte man demnach ein Jahr lang den Viertelstundentakt auf der S-Bahn-Strecke Wien-Gänserndorf finanzieren oder um 700.000 Euro 15-Minuten-Intervalle auf der Strecke Wien-Korneuburg realisieren, wie Grünen-Verkehrssprecherin Amrita Enzinger angibt.

Das eine sind freilich Summen, die angeblich in die Infrastruktur fließen sollen, das andere ist wiederum Geld, das es demnach für den Betrieb bräuchte. Die im Landesbudget 2014 veranschlagten Investitionen in die Öffi-Infrastruktur sehen jedenfalls nur einen kleinen Bruchteil der genannten Milliardensumme vor: 117 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr stehen da im Voranschlag, denen 361 Millionen Euro für den Straßenbau gegenüberstehen.

Weniger als drei Monate bis zur Wahl

Am 25. Jänner 2014 wählen die Niederösterreicher in 570 der 573 Gemeinden einen neuen Gemeinderat. Es dürfte also kein Zufall sein, dass Pröll am Montag im Waldviertel - einem traditionell schwarzen Kerngebiet, wo die VP zuletzt bei der Landtagswahl 2013 Stimmenanteile verlor - über das 330 Millionen schwere "Waldviertelpaket" für Straßenausbau bis 2019 sprach. Allein für die Umfahrung Zwettl sollen 154 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Aber auch in den Bahnhof Gmünd soll Geld investiert werden.

Am Dienstag traten dann Grünen-Sprecherin Madeleine Petrovic und Verkehrssprecherin Amrita Enzinger vor Journalisten und präsentierten ihr Verkehrspaket für das Bundesland. Die beiden Grünen-Politikerinnen fordern unter anderem eine Verfassungsgarantie für den Erhalt alter Bahnstrecken, mehr Investitionen in kleinräumige Verkehrslösungen statt "Prestigeprojekten" sowie die Realisierung eines 365-Euro-Öffi-Jahrestickets für alle - wie es in Wien verwirklicht wurde. Die Kosten dafür sollen einer Schätzung seitens des Verkehrsverbunds Ostregion (VOR) zufolge für das erste Jahr rund 100 Millionen Euro betragen. Die Grünen-Politikerinnen wollen von einer Schätzung auf zehn Millionen Euro gehört haben.

Auch die Ausweitung des Top-Jugend-Tickets, mit dem junge Leute in der Ostregion um 60 Euro im Jahr Öffi-Fahren können, fordert die Oppositionspartei: Es solle auch für Studierende und arbeitslose Jugendliche erwerbbar sein, lautet die Forderung.

Buskarte kostet 2800 Euro

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren kann in Niederösterreich aufgrund der verschiedenen Tarifsysteme jedenfalls eine teure Angelegenheit sein: Allein eine Jahreskarte für den Wieselbus von Gmünd nach St. Pölten (über Wien, aber ohne Kernzonenticket) kommt auf rund 2800 Euro. Seit Jahren heißt es, eine Tarifreform sei in Arbeit. Zuletzt war zu hören, dass es diesbezüglich 2016 konkret werden könnte. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 5.11.2014)

  • Weniger Investitionen in Straßen, dafür mehr Geld für das Schienennetz sähe ein Verkehrskonzept der Grünen für Niederösterreich vor.
    foto: apa/pfarrhofer

    Weniger Investitionen in Straßen, dafür mehr Geld für das Schienennetz sähe ein Verkehrskonzept der Grünen für Niederösterreich vor.

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