Linkes Bündnis in Thüringen: Den Vertrag abwarten

Kommentar4. November 2014, 17:48
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Die realsozialistischen Wahlergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Die SPD ist schwach, die Linke stark

Der 14. September war nicht nur für Thüringen, sondern auch für Brandenburg ein wichtiger Tag. In beiden ostdeutschen Bundesländern fanden Landtagswahlen statt. Während es in Brandenburg längst eine neue Regierung aus SPD und Linke gibt, ist in Thüringen jetzt - fast zwei Monate später - immerhin klar, dass Linke, SPD und Grüne Koalitionsgespräche aufnehmen können.

In Brandenburg ist die sozialdemokratische Welt halt noch in Ordnung. Dort stellt die SPD den Ministerpräsidenten, die Linke darf gern als Juniorpartner mitregieren. In Thüringen aber wird es wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland zum umgekehrten Fall kommen. Eine äußerst schwache SPD (12,4 Prozent) verhilft einer starken Linkspartei (28,2 Prozent) in die Staatskanzlei.

Einer Partei also, die die Nachfolgerin der DDR-Einheitspartei SED ist. Dass das manchem Sozialdemokraten nicht schmeckt, ist verständlich. Doch die realsozialistischen Wahlergebnisse sprechen einfach eine deutliche Sprache. Die SPD ist schwach, die Linke stark. Sie wird von vielen Menschen gewählt, und nicht alle trauern der DDR nach.

Das hat vielleicht auch Bundespräsident Joachim Gauck vergessen, als er - bei allem Recht auf freie Meinungsäußerung - ungewöhnlich deutlich und (anti)parteiisch vor der Linkspartei warnte. Dabei gibt es noch nicht einmal einen rot-rot-grünen Koalitionsvertrag für Thüringen. Vielleicht sollte man den erst einmal abwarten und dann urteilen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 5.11.2014)

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