Westenthaler-Prozess: "Geld hat kein Mascherl"

4. November 2014, 17:28
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Ex-Sportstaatssekretär Karl Schweitzer sollte als Zeuge im Prozess gegen Peter Westenthaler aussagen, vergaß aber die Amtsverschwiegenheit

Wien - Nach rund zehn Minuten war für ihn alles wieder vorbei, vorerst jedenfalls. Kaum hatte Karl Schweitzer (BZÖ) Dienstagmittag im Wiener Straflandesgericht beim Prozess gegen seinen früheren Parteifreund Peter Wesenthaler und den Mitangeklagten Ex-Bundesligavorstand Thomas Kornhoff Platz genommen, den Mantel abgelegt und seine Personalien angegeben, musste er auch schon wieder gehen - der Amtsverschwiegenheit sei Dank.

Denn als Ex-Sportstaatssekretär hätte sich Schweitzer von dieser entbinden lassen müssen. Hat er aber "nicht gewusst". Also wäre er dem Richter "sehr dankbar, wenn Sie mir erklären, wie ich das zu managen habe". Das macht Richter Wolfgang Etl gern, gilt es doch, bis zur nächsten Einvernahme am 13. November (gemeinsam mit Exkanzler Wolfgang Schüssel!) die nötigen Voraussetzungen zu treffen, damit Schweitzer in der Causa Fußball-Bundesliga frisch von der Leber weg erzählen darf.

Vorwurf des schweren Betrugs

Inhaltlich geht es um den Vorwurf, Westenthaler und Kornhoff hätten als Bundesliga-Vorstände eine Million Euro, die für die Nachwuchsarbeit der Vereine vorgesehen war, missbräuchlich zur Tilgung einer Finanzschuld an die Republik (Vergleichssumme 1,2 Million Euro) verwendet. Oberstaatsanwältin Barbara Schreiber erhebt den Vorwurf des schweren Betrugs, beide Angeklagten bestreiten das und plädieren auf nicht schuldig. Es gilt die Unschuldsvermutung. Schweitzer selbst will nicht viel zur Aufklärung beitragen können. Die Staatsanwältin sieht das anders: Schließlich habe er Westenthaler die Millionenförderung auf freie Verwendbarkeit bestätigt.

Zentrum des Interesses war am Dienstag aber ein Aktenvermerk. Der besagt sinngemäß, dass die Nachwuchsfördermillion zur Begleichung der Bundesligaschulden verwendet werden soll. Bloß: Keiner der Zeugen will diesen Vermerk angefertigt haben, die Interimsvorstände Georg Pangl und Thomas Rueff-Zlabinger, die dem Duo Westenthaler-Kornhoff folgten, wollen dessen Inhalt beim Unterschreiben gar nicht gekannt haben. Pangl: "Das war einer meiner ersten Arbeitstage, wo man mir unzählige Akten vorgelegt hat." Er habe "in gutem Glauben und Vertrauen" auf die Buchhaltung unterschrieben. Rueff-Zlabinger ist überhaupt "irritiert", seinen Namen auf dem Papier zu finden - habe er doch nie etwas mit Finanzen zu tun gehabt.

Aktenvermerk

Das war Aufgabe von Reinhard Herovits, der ab August 2008 Finanzvorstand war, als Nächster im Zeugenstand sitzt und sich mit anderen Baustellen befasst haben will. Dass der Aktenvermerk laut Polizeiermittlungen auf seinem Computer geschrieben wurde, bestreitet er. Warum gerade seine Unterschrift auf dem Papier fehle? Herovits: "Vielleicht war ich auf Urlaub." Für ihn gelte, "Geld hat kein Mascherl", zentral sei für ihn immer gewesen, dass die Bundesliga nicht insolvent wird.

Auch Schweitzer will beim Sparen helfen und beantragt keinen Fahrtkostenersatz für die Anreise. (Karin Riss, DER STANDARD, 5.11.2014)

  • Kam, vergaß und ging: Der frühere Sportstaatssekretär Karl Schweitzer darf erst kommende Woche frei von der Leber weg reden. Dafür trifft er nächste Woche auf Exkanzler Wolfgang Schüssel.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Kam, vergaß und ging: Der frühere Sportstaatssekretär Karl Schweitzer darf erst kommende Woche frei von der Leber weg reden. Dafür trifft er nächste Woche auf Exkanzler Wolfgang Schüssel.

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