Midterm-Elections: Generalprobe für den Kampf ums Weiße Haus

4. November 2014, 17:25
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Zwar gibt es noch keine offiziellen Kandidaten für das Präsidentenvotum 2016 - doch die Wahl warf bei den Midterm-Elections schon deutliche Schatten voraus. Im Zentrum stand einmal mehr der Kampf um Punkte bei der Basis

Ist eine Wahl vorbei, wirft die nächste ihre Schatten voraus. Und da 2016 ein wichtigeres Wahljahr ist als 2014, wird das Duell um den Kongress vor allem an einer Latte gemessen: Was bedeutet das im Rennen ums Weiße Haus?

Deshalb steht Hillary Clinton wenige Tage vor dem Votum auf einer Bühne in Charlotte, North Carolina, um den Sparkurs der Republikaner aufs Korn zu nehmen. Es geht um den Staat, um überfüllte Klassenzimmer, um traurige Zustände, die man heraufbeschwöre, wenn man am falschen Ende spare, nämlich bei der Bildung. Es geht um Kay Hagan, eine Senatorin, die um ihr Mandat zittern muss und für die sich Clinton mächtig ins Zeug legt. Und natürlich auch um Charlotte, die Tochter ihrer Tochter Chelsea. "Nichts hilft dir mehr als ein Enkelkind, damit du dich ganz auf die Zukunft konzentrierst", ruft die Kandidatin im Wartestand. Es klingt, als wäre es eine Zeile für den Wahlkampf 2016, der längst begonnen hat, obwohl noch keine einzige Bewerbung offiziell ist.

Blick auf die Vorwahl

Bei Barack Obama war es eine Buchtour im Herbst der MidtermElections 2006, die ihn mit "Audacity of Hope", einer Mischung aus Autobiografie und Grundsatzprogramm, über Wochen ins Rampenlicht rückte. Der Andrang überzeugte ihn, dass es sich lohnen würde, den Hut in den Ring zu werfen, auch wenn die Etablierten fanden, dass seine zwei Jahre im US-Senat zu wenig seien, um schon nach Höherem zu streben. Clinton hat seit September in 45 Kampagnensälen gesprochen, um Parteifreunden den Rücken zu stärken. Auffällig oft war sie in Iowa und New Hampshire, den beiden Bundesstaaten, in denen auch 2016 die Kandidatenauslese beginnt. Wer bei den Primaries dort einen Fehlstart erwischt, kann seine Hoffnungen fast schon begraben, was erklärt, warum eine Hillary Clinton die Wähler dort schon jetzt umgarnt, am liebsten in einem Diner, Amerikas klassischem Imbisslokal. "Handshake, Hamburg Inn Nr. 2", stand vor ein paar Tagen auf ihrer Iowa-Liste.

Kein Wunder auch, dass sich auch Elizabeth Warren im Staat der Maisfelder blicken ließ, um einem eher farblosen Abgeordneten namens Bruce Braley beizuspringen. Die Senatorin aus Massachusetts profiliert sich als soziales Gewissen der Demokraten, eine Wirtschaftsjuristin, die auf die Exzesse der Wall Street schimpft und staatliche Eingriffe verlangt, damit die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird. So gebetsmühlenartig Warren betont, dass sie keinerlei Interesse habe am Oval Office, ihre Rede in Iowa City genügt, um das Gegenteil vermuten zu lassen.

Auch Romney auf Tour

Bei den Republikanern könnte sich die alte Weisheit bewahrheiten, nach der man in der Politik niemals nie sagen soll. Wer überzeugt war, dass Mitt Romney nie wieder nach dem Präsidentenamt schielt, kommt inzwischen ins Grübeln. Der Verlierer des Duells 2012 flog am Montag bis nach Alaska, um in einem Flugzeughangar für einen eventuellen Senatsneuling namens Dan Sullivan zu werben. Kein Zweifel, Romney sammelt Treuepunkte. Mit zähem Einsatz erweitert er den Kreis derer, die ihm zu Dankbarkeit verpflichtet sind, sollte er doch ein drittes Mal an den Start gehen.

Chris Christie, der talentierteste Debattenredner der Konservativen, hat seine Reuephase offenbar hinter sich. Sonst so robust wie ein Bulldozer, hatte der Gouverneur New Jerseys zehn Monate lang leisere, bisweilen fast demütige Töne angeschlagen, nachdem herausgekommen war, dass sein Stab durch willkürliches Fahrbahnsperren einen tagelangen Autobahnstau verursachte, um einen aufsässigen Bürgermeister abzustrafen. Nun ist Christie wieder obenauf, wie nicht nur seine Abstecher in 37 Bundesstaaten beweisen, sondern auch die Art, wie er Zwischenrufer abfertigte: "Hinsetzen! Und den Mund halten!"

Rand Paul, ein libertärer Senator aus Kentucky, gibt den Querdenker, etwa, indem er die Schwarzenviertel Detroits besucht und hinterher sagt, dass die Republikaner grob fahrlässig handeln, weil sie die Afroamerikaner links liegen lassen. Und John Ellis "Jeb" Bush? Der Bruder von George W.? Noch scheut er die große Bühne, seine Auftritte sind so selten wie ein Hurrikan im November. Was nichts daran ändert, dass Jeb junior, sein Sohn, die Gerüchteküche befeuert: Columba, Bushs eher scheue Ehefrau, soll sich abgefunden haben mit dem Gedanken, ständig im Scheinwerferlicht zu stehen, sagte er jüngst. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 5.11.2014)

  • Engagement im Zeichen des Votums von 2016: Hillary Clinton als Wahlhelferin für Senatskandidatin Jeanne Shaheen in New Hampshire.
    foto: foto: reuters / brian snydrer

    Engagement im Zeichen des Votums von 2016: Hillary Clinton als Wahlhelferin für Senatskandidatin Jeanne Shaheen in New Hampshire.


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