Rechtliche Schritte gegen Teutonia-Flugblatt geprüft

4. November 2014, 17:47
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Grüner Bildungssprecher Walser über "frei erfundenes Zitat" verärgert

Wien - Der Flugzettel, den die Wiener Burschenschaft Teutonia auf ihrer Facebook-Seite postete, um sich über das vor wenigen Tagen am Ballhausplatz übergebene Denkmal für Deserteure während der NS-Diktatur zu entrüsten, könnte nun ein rechtliches Nachspiel haben.

Der Text der Burschenschaft, die aktuell den Vorsitz im Wiener Korporationsrings (WKR) führt, stellt unter anderem in Abrede, dass Soldaten, die nicht für Hitler kämpfen wollten, Helden waren. Und man beschwört die "alte Pflicht". Während der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Reinhard Bösch, selbst Teutonia-Mitglied, das Schreiben im Gespräch mit dem STANDARD verteidigte, fand sich ein anderer Parlamentarier namentlich selbst auf dem Pamphlet wieder: der Grüne Harald Walser. Er wird auf dem Flugzettel von den Teutonen mit den Worten zitiert, dass er "lächerliche Denkmäler für diejenigen, die fürs Vaterland gefallen sind, die uns in jedem Ort anstarren, zerstören (...)" wolle. "Dieses Zitat ist frei erfunden", ärgert sich Walser.

Rechtliche Schritte

Der Politiker lässt nun rechtliche Schritte gegen die weit rechts stehende Burschenschaft, die in Deutschland selbst in Burschenschafterkreisen von vielen Verbindungen als rechtsextrem abgelehnt wird, prüfen. Böschs Aussagen sind für Walser "nur ein weiterer Beweis dafür, dass sich die FPÖ weit außerhalb des politischen Spektrums dieses Staates stellt. Die Truppe hat in verantwortlichen Funktionen nichts verloren."

Auch beim "Personenkomitee für die Opfer der NS-Militärjustiz" sorgen die Aussagen des Politikers nicht für Verwunderung. "Die FPÖ hat sich immer konsequent gegen die Rehabilitierung und den Bau des Denkmals gestellt. Dass jetzt, wo das Mahnmal steht, nachgewinselt wird, überrascht nicht." Hier zeige sich sehr deutlich, "wer noch immer an das Märchen der sauberen Wehrmacht glaubt". (cms, pm, DER STANDARD, 5.11.2014)

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