Keine Finanzspritze für AKH-Ärzte

5. November 2014, 05:30
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Ab Jänner gilt für Ärzte ein neues Arbeitszeitgesetz. Wer sich daran hält, verdient weniger. Ein höheres Grundgehalt schließt Med-Uni-Rektor Schütz vorerst aus

Wien - Ein Brief aus dem Rektorat der Med-Uni Wien sorgt im Allgemeinen Krankenhaus für Aufregung. Hintergrund ist das neue Ärztearbeitszeitgesetz, das mit 1. Jänner in Kraft tritt (der Standard berichtete). Seit mehr als einem Jahrzehnt mahnt die EU Österreich wegen der Überschreitung der maximalen Arbeitszeit. Eine Übergangsregelung wurde gefunden. Bis 2021 wird die Arbeitszeit für Ärzte schrittweise auf 48 Stunden reduziert, bisher waren bis zu 72 Stunden üblich.

Der Haken: Weniger Stunden bedeuten auch weniger Nacht- und Wochenenddienste, die bis zu einem Drittel des Verdienstes ausmachen.

Rektor Wolfgang Schütz wollte nun von seinen Ärzten wissen, für welche Variante sie sich entscheiden. Das beigelegte Formular soll bis Ende November zurückgeschickt werden. Die Ärzte haben die Wahl: freiwillig bis zu 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, also mehr als vorgeschrieben, oder die neue gesetzliche Regelung zu befolgen. Ergänzt wird das Schreiben durch Beispiele, welche Auswirkungen die Arbeitszeitreduktion hat, wenn nicht der Ausnahmeregelung zugestimmt wird. Selbst bei nur einem Nachtdienst pro Woche wird die Arbeitszeit überschritten.

Rektor: keine Verhandlungen

Warum der Brief in der Belegschaft für Unverständnis sorgt: Von einer Anhebung des Grundgehalts, wie von den Ärzten gefordert, ist keine Rede. Ein Brief der Wiener Ärztekammer, der dem Standard vorliegt, folgte: Darin beschreibt der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres das Vorgehen des Rektorats als "befremdlich" und fordert dazu auf, die Formulare nicht zu unterschreiben und keinesfalls der Verlängerung der Arbeitszeit zuzustimmen, solange es keine Zugeständnisse gebe.

Doch dazu müsste erst einmal verhandelt werden - Verhandlungen gibt es derzeit aber keine, heißt es aus dem Büro des Rektorats. "Das ist aus unserer Sicht auch nicht notwendig", sagt Johannes Angerer zum Standard. Der Sprecher von Rektor Schütz beruft sich auf die Wahlfreiheit für Ärzte: Bis 2018 hätten sie ja noch die Möglichkeit, bei selben Dienstzeiten dieselben Gehälter zu erhalten. Dass sie mit Einkommenseinbußen rechnen müssen, wenn sie sich nach der gesetzlichen Vorgabe richten, sei klar: Sie würden ja auch weniger arbeiten.

Der Betriebsrat sieht das anders. "Niemand soll gezwungen werden, aus finanziellen Gründen, mehr zu arbeiten", sagt Martin Andreas, Chirurg im AKH. Trotzdem hält er die Befragung der Klinikleitung für korrekt, weil sie vorausplanen müsse, wie viele Ärzte zu Verfügung stehen werden. Für Andreas ist es aber kein AKH-spezifisches Problem, sondern gelte für alle Unikliniken in Österreich. Für Krankenhäuser, die in der Verantwortung der Bundesländer stehen, gibt es teilweise schon eine Einigung auf die Anhebung der Grundgehälter für Ärzte oder zumindest Verhandlungen. Nach der Steiermark hat nun auch Wien angekündigt, das Grundgehalt anheben zu wollen. "Es kann nicht sein, dass die Unikliniken übrig bleiben", sagt Andreas. Damit würden noch mehr Ärzte ins Ausland abwandern. Er fürchtet, dass es erst dann, wenn keine Stellen mehr nachbesetzt werden können, ein Umdenken geben wird. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 5.11.2014)

  • Während in einigen Bundesländern Einigungen zur Erhöhung des ärztlichen Grundgehalts gefunden wurden, will man an der Med-Uni Wien vorerst nicht einmal verhandeln.
    foto: dpad/lukas barth

    Während in einigen Bundesländern Einigungen zur Erhöhung des ärztlichen Grundgehalts gefunden wurden, will man an der Med-Uni Wien vorerst nicht einmal verhandeln.

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