Kritik an Depressions-Scanner für Twitter

4. November 2014, 15:36
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Radar alarmiert Nutzer, wenn jemand auf Twitter etwas vermeintlich Depressives schreibt

Die in Großbritannien und Irland tätige Organisation Samaritans hat eine Anwendung gestartet, die Twitter-Nutzern in Notsituationen helfen soll. Nutzer werden von Radar alarmiert, sobald jemand, dem sie folgen, etwas twittert, das möglicherweise auf eine Depression oder andere Probleme hindeutet. Sie sollen ihre Bekannten und Freude dann kontaktieren können, ob sie Hilfe benötigen. Doch nicht alle halten das für eine gute Idee.

Ohne Einverständnis

Meldet man sich bei Radar mit dem eigenen Twitter-Profil an, scannt Radar die Tweets der Personen, denen man folgt, nach bestimmten Schlagwörtern. Findet Radar einen verdächtigen Tweet erhält man ein E-Mail und kann die Person kontaktieren. Die so überwachten Nutzer werden allerdings nicht informiert, wenn aufgrund einer ihrer Nachrichten ein Alarm verschickt wird.

Gefundenes Fressen für Trolle

Das Problem: nicht nur besorgte Personen können Radar nutzen. Wer es darauf abgesehen hat, Leute in Notsituationen auszunutzen, könnte die Anwendungen ebenfalls verwenden. Zwar kann man sich aktiv davon abmelden, dass der eigene Account erfasst wird, doch dazu muss man erst einmal von der App wissen.

Tweets ohnehin öffentlich

Die Organisation argumentiert laut Engadget damit, dass Tweets ohnehin öffentlich lesbar seien und die Anwendung nur den Zweck erfülle auf etwas hinzuweisen, das man eventuell übersehen hat. Bis zum 2. November hätten sich bereits über 3.000 Personen angemeldet. Radar soll über 1,64 Millionen Accounts beobachten.

Online-Petition

Auf Change.org wurde eine Online-Petition gegen Radar gestartet. Aktivist Adrian Short wirft den Samaritans vor, die Privatsphäre der Nutzer zu missachten und fordert Twitter auf, die App auszuschließen. Er geht davon aus, dass Radar gegen europäische Datenschutzrichtlinien verstößt. (red, derStandard.at, 4.11.2014)

  • Radar soll Menschen mit Depressionen und anderen Problemen helfen. Doch Kritiker befürchten, dass die App auch gegen die Personen gerichtet werden könnte.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Radar soll Menschen mit Depressionen und anderen Problemen helfen. Doch Kritiker befürchten, dass die App auch gegen die Personen gerichtet werden könnte.

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