Getrennte Schlafzimmer

6. November 2014, 16:51
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Entspanntes Schlummern alleine versus gemeinsames Kuscheln

Pro
Von Margarete Affenzeller

Die gemeinsame Matratze ist eine romantische Idealvorstellung. Ihr ist sogar Balzac erlegen, der Paaren in den ersten zwanzig Beziehungsjahren (jawohl!) unbedingt zu einer ritzenfreien Zweisamkeit riet. Echte Innigkeit hängt aber nicht von der Doppelbettbelegung ab. Die stete Nähe zieht gar Furor nach sich! Für zu viele Fragen müssen Kompromisse gefunden werden: Fenster auf oder zu, Pyjama an oder aus, Bettwäsche Flanell oder Leinen, Raumtemperatur warm oder kühl, Leselampe an oder aus, Nachteule oder Frühaufsteher, Weckerklingelton schrill oder human. Und dann der unerhörte Polster- und Deckenklau, der unruhige Nachbarschlaf, die unsanften und vorgeblich "unbewussten" Territoriumseroberungen. Auch Schnarchen.

Und da sind die allerbesten Gründe für das eigene, unabhängige Bettchen noch gar nicht angesprochen: Es liefert Platz für die praktische Kleiderablage, die Keksdose, die Wollweste für lange Lesenächte, die griffbereit liegende Lektüre und das Telefon für den Anruf rüber.

Kontra
Von Christoph Winder

Jede zweite Ehe geht krachen, und getrennte Schlafzimmer sind ein Hauptgrund dafür. Mit Pseudogründen sind Getrenntschläfer schnell bei der Hand: Individuelles Weckerläuten, barierrefreies Herumwälzen, autonome Schnarchgestaltung usf. Aber Pseudogründe bleiben Pseudogründe, und wenn man dieser "Logik" folgen wollte, müsste man sich auch für getrennte Küchen aussprechen (inkompatible Kochgewohnheiten), für getrennte Wohnzimmer (unterschiedlicher Fernsehkonsum) und getrennte Badezimmer und Toiletten (Bakteriengefahr). Warum sollte man den Tisch teilen, wenn man das Bett nicht teilt?

Sobald die Schlafzimmer einmal getrennt sind, kommt es fast immer zur unaufhaltsamen Beziehungserosion. Menschen wollen von ihrem Partner nicht nur tagsüber geliebt werden, sondern auch in der Nacht: "Schatz, du hast dich heut wieder supersexy herumgewälzt. Und so schön wie du schnarcht sonst niemand!" Solch kleine Komplimente sind es, aus denen große Beziehungen entstehen. (Rondo, DER STANDARD, 7.11.2014)

  • Gemeinsam oder getrennt schlafen: jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile.
    foto: istockphoto.com

    Gemeinsam oder getrennt schlafen: jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile.

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