Verschiedene Brillen sehen verschiedene Dinge

4. November 2014, 13:33
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Gerhard Berger plädiert für gerechtere Geldverteilung und zieht sich aus FIA-Kommission zurück. Ein Comeback im Geldzirkus schließt er nicht aus

Monte Carlo/Wien - Gerhard Berger plädiert angesichts der aktuellen Finanzkrise der Formel 1 für eine gerechtere Geldverteilung. "Weil die Show alle Teams braucht", ist der Österreicher für einen neuen Verteilungsschlüssel. Berger beendet mit Jahresende seine Tätigkeit als Chef der FIA-Formel-Kommission, eine mögliche Rückkehr in die Königsklasse bei Ferrari oder McLaren kommentiert der 55-Jährige zurückhaltend.

Seit Wochen halten sich in Medien Gerüchte, dass der gut vernetzte, ehemalige Formel-1-Pilot und Teambesitzer bei Ferrari und McLaren ganz oben auf der Wunschliste stehe. "Alles Spekulationen, von mir aus ist da nichts dran. Ich habe weder mit Ferrari noch mit McLaren über dieses Thema gesprochen", erklärte Berger. Auch das Ende seiner Tätigkeit in den Formel-Nachwuchsklassen habe damit nichts zu tun.

"Ich wollte FIA-Präsident Jean Todt nur für ein Jahr einen Gefallen tun, daraus sind eh drei Jahre geworden. Jetzt habe ich genug meiner Zeit dafür gegeben und möchte mein eigenes Unternehmen weiter ausbauen. Zudem bin ich wieder Vater geworden", begründete Berger diesen Schritt. Mit dem Erreichten sei er hoch zufrieden. "Die Formel 3 hat sich wieder als höchst konkurrenzfähige Nachwuchsklasse etabliert, aus der man direkt in die Formel 1 kommen kann", verwies der Tiroler auf Beispiele wie den künftigen Toro-Rosso-Fahrer Max Verstappen (17).

Sein Neffe Lucas Auer habe auch das Pech gehabt, mit Verstappen und Esteban Ocon zwei sehr starke F3-Konkurrenten gehabt zu haben, so Berger. Diese Woche testet der dreifache Saisonsieger und Meisterschafts-Vierte Auer in Spanien Formel Renault 3,5. Laut Berger liegt es an seinem Nachfolger, die Formel-Nachwuchs-Pyramide fertigzustellen. Zwischen Kart und Formel 3 kommt als Übergang die Formel 4 (zehn Meisterschaften von Deutschland bis Japan, China und Australien sind 2015 fix), ideal wäre dann noch eine Formel-2-Klasse.

Seit längerem wird spekuliert, dass Berger bei seinem ehemaligen Rennstall Ferrari, für den der 210-fache GP-Starter fünf seiner zehn Grand-Prix-Siege eingefahren hat, eine Rolle als sportlicher Berater neben Teamchef Marco Mattiaci einnehmen könnte. Oder auch beim künftig mit Honda-Motoren fahrenden Ex-Team McLaren. Berger kann sich derzeit aber nicht vorstellen, "irgendwo hin zu gehen". "Die Formel 1 ist ein Geschäft, in dem du das ganze Jahr wie ein Zigeuner unterwegs und am Wochenende im Büro bist. Das geht nur, wenn du bereit bist, 120 Prozent deiner Zeit zu geben."

Geld vs. öffentliches Interesse

Zur aktuellen Krise und den Finanznöten der insolvenzbedrohten Teams Marussia und Caterham meinte Berger: "Von außen betrachtet läuft in der Formel 1 immer noch alles rund und die Sichtweisen der Teams hängen davon ab, welche Brille man aufhat." Das Formel-1-Interesse sei in Europa aber rückläufig, das ganze Vehikel für die Fans viel zu kompliziert und neben den wenigen reichen Teams wie Mercedes, Red Bull oder Ferrari gebe es solche, "die gerade über die Runden kommen und solche, die bankrott sind".

Trotzdem stehe die Formel 1 laut Berger finanziell nicht schlecht da. "CVC (Rechteinhaber, Anm.) hat sicher keine Krise und verdient immer noch ordentlich Geld", ist der Österreicher überzeugt. Dieses Geld gehöre gerechter verteilt. "Denn wenn nur noch Ferrari gegen Mercedes oder Red Bull fährt, wäre das keine interessante Meisterschaft. Aus meiner Sicht gehören alle Teams zur Show." (APA/red, 4.11.2014)

  • Gerhard Berger: "Alle Teams gehören zur Show."
    foto: apa/scheriau

    Gerhard Berger: "Alle Teams gehören zur Show."

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