Demenzpatienten mit Schmerzsymptomen oft unterversorgt

4. November 2014, 12:12
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Experten plädieren für individuelle Schmerzmessung mit speziellen Instrumenten

Salzburg/Wien - Demenzpatienten können oft Schmerzzustände kaum artikulieren. Sie leiden auch mehr, weil sie die Ursachen für die Beschweren kognitiv schlecht verarbeiten können. Deshalb sei eine individuelle Messung der Schmerzintensität bei diesen Personen dringend notwendig, hieß es am Dienstag in einer Aussendung anlässlich der aktuellen Österreichischen Schmerzwochen.

Bereits vor Jahren hat eine Studie ergeben, dass Schmerzsymptome bei älteren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eine um 20 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit haben, eine Schmerztherapie zu bekommen. Demente Patienten erhalten laut einer älteren Studie auch um 50 Prozent weniger Analgetika als Nicht-Demente mit Schmerz-Symptomen.

Doch dem kann abgeholfen werden. Der konsequente Einsatz von speziellen Instrumenten zur Schmerzmessung bei dementen Pflegeheimbewohnern trägt zu einer deutlichen Reduktion von Schmerzleiden der Betroffenen bei. Das zeigen aktuelle Daten eines Forscherteams der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Verstärkte Sensibilisierung

"In jenen der von uns untersuchten Pflegeheime, in denen konsequent für die Schmerzerhebung bei kognitiv beeinträchtigten Bewohnern die PAINAD-Scale eingesetzt wurde, wies ein deutlich geringerer Prozentsatz von ihnen Schmerzen auf als in den Häusern, die ein solches Schmerzmessungstool nicht verwenden", berichtete Studienleiter Jürgen Osterbrink, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der 14. Österreichischen Schmerzwochen.

"Das mag auch damit zusammenhängen, dass mit der Einführung eines solchen Instruments die Pflegenden verstärkt für das Problem sensibilisiert werden, dass kognitiv beeinträchtigte Heimbewohner ihre Schmerzen häufig nicht adäquat verbalisieren können."

PAINAD ist eines von mehreren beobachtenden Instrumentarien, die speziell für die Erhebung von Schmerzen bei dementen Menschen entwickelt wurden. Damit wird unter anderem auf indirekte Zeichen vorhandener Schmerzen wie etwa ein angespannter Gesichtsausdruck, Schonhaltung, eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, ängstliche Abwehr von Berührung oder ähnliche Hinweise geachtet.

Transparentes Schmerzmanagement

"Wir wissen aus einer früheren Phase unserer Untersuchung, dass 50 bis 80 Prozent der Pflegeheimbewohner unter Schmerzen leiden", so Osterbrink. Die wichtigste Ursache für die Unterbehandlung älterer Patienten, ob mit oder ohne kognitive Beeinträchtigung, sei die weitverbreitete unzureichende Schmerzerfassung.

Interessantes förderte auch eine andere Teilauswertung der Salzburger Pflegeheim-Daten zutage. Hier wurde die Einschätzung von Pflegepersonen und von nicht oder nur leicht kognitiv beeinträchtigten Pflegeheimbewohnern zum Schmerzmanagement erfragt. Diese kann in den beiden Gruppen erheblich voneinander abweichen: Während 82 Prozent der Pflegepersonen angaben, Bewohner mindestens einmal pro Dienst nach Schmerzen zu fragen, gaben 42 Prozent der Bewohner an, nicht danach gefragt zu werden.

War den Bewohnern bewusst, dass sie mit Schmerzmedikamenten behandelt wurden, war ihre Zufriedenheit mit dem Schmerzmanagement insgesamt deutlich höher. "Gegenüber den Betreuten transparenter zu machen, welche Methoden der Schmerzlinderung eingesetzt werden, wäre sicher zielführend im Sinne eines besseren Outcomes und einer höheren Zufriedenheit", so Osterbrink. (APA, 4.11.2014)

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