"Tanz deinen Doktor": Drohnen drehen sich zu Tangoklängen

Video4. November 2014, 11:46
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Bereits zum siebenten Mal fand der Wettbewerb "Dance your Ph.D." statt - Die Beiträge werden immer professioneller, was dem Spass keinen Abbruch tut

Waren das noch Zeiten! Als 2008 der Wettbewerb "Dance your Ph.D." (also "Tanze deinen philosophischen Doktor") seine Weltpremiere am Forschungsinstitut für molekulare Pathologie (IMP) in Wien feierte, gab es noch echte Sternstunden oder besser -minuten des getanzten Dilettantismus: IMBA-Direktor Josef Penninger etwa hat seine damals schon länger zurückliegende Dissertation über Thymuszellen bei Hühnern zum Soundtrack des Vogerltanzes ausdrucksstark zum Besten gegeben.

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Die Anfänge von "Dance your Ph.D.": Josef Penninger mit seinem Hühnertanz.

Ein echter Augenschmaus – ebenso wie die damalige Spartensiegerperformance von CEMM-Direktor Giulio Superti-Furga zu einem ausgesuchten Musik-Medley inklusive "Bello e impossibile" von Gianna Nannini.

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Auch CEMM-Direktor Giulio Superti-Furga tanzte im Dienst der Wissenschaft.

Das war damals alles noch live on stage – und führte die Richtigkeit der bekannten Volksweisheit: "Wer es nicht in den Beinen hat, muss es im Kopf haben" nachdrücklich vor Augen.

Sechs Jahre später hat in dem vom Biologen und "Science"-Korrespondenten John Bohannon organisierten Bewerb dem fröhlichen Amateurismus ein wenig Professionalismus Platz machen müssen. Ein Spaß sind die Siegervideos aber allemal – vielleicht mit Ausnahme der allzu gelungenen Gesamtsiegerperformance, die eine Expertenjury (inklusive Tanzprofis) ermittelte: Siegerin aller Klassen wurde die US-Pflanzenbiologin Uma Nagendra (University of Georgia in Athens), die ihre Freizeit als Hobby-Zirkusartistin auf Trapezen verbringt.

Gemeinsam mit einem Team von anderer Trapezkünstlern führt sie im aufwändig choreografierten Siegervideo vor, wie das Gleichgewicht der Pflanzenwelt nach einem Tornado durcheinander kommt und sich die Pflanzensämlinge dann doch wieder erholen. Nagendra gewann 1000 US-Dollar, eine Reise nach Standford (wo sie den luftigen Siegestanz aufführen muss) und zudem den Spartenpreis Biologie.

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Ein getanzter Tornadoschaden in der Pflanzenwelt von Uma Nagendra und ihrem Team.

Der Preis für die beste Vertanzung einer Physikdissertation ging verdientermaßen an Hans Rinderknecht vom MIT. Dieses live aufgenommene Spektakel veranschaulicht tatsächlich, wie durch Laser-Energie eine Kernfusion zustande kommt und welche Probleme es dabei gibt. Gut ausgewählt ist auch Tanzmusik mit dem Song "Under Pressure" von Queen (mit David Bowie), der so gut passt, als ob er extra für den physikalischen Ausdruckstanz geschrieben worden wäre.

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Hans Rinderknecht tanzt vor, wie man mit Laser-Energie eine Kernfusion zuwege bringt.

Eher von ungeschliffener Fröhlichkeit und Drastik ist die Siegerperformance der Kategorie Sozialwissenschaften: Thema ist die Kolonialgeschichte des Pazifik aus spanischer Perspektive, dargestellt vom Madrider Dissertanten David Manzano und seinen Freunden, denen es eindrucksvoll gelingt, Glanz und Elend der spanischen Kolonialpolitik physisch vor Augen zu führen.

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Kolonialgeschichte des Pazifik aus spanischer Perspektive, dargebracht von David Manzano und seinen Freunden.

Auch in der Kategorie Chemie ging der Titel an Spanien – mit einer Performance über die Probleme bei der Herstellung von Mayonnaise mit geringerem Fettgehalt. Das vertanzte Doktorat stammt von Saioa Alvarez von der Universität des Baskenlandes, der dafür sogar eigene Musik komponierte. Das Urteil der Jury: "Man hat Lipide noch nie so sexy gesehen!"

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Getanzte Mayonnaise-Herstellung von Saioa Alvarez.

Den Publikumspreis schließlich fuhr Venanzio Cichella von der University of Illinois in Urbana-Champaign ein:

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Forscher und dann Drohnen tanzen eine Dissertation zu Tango-Klängen.

Sein Video beginnt eher harmlos mit zwei nicht besonders gut Tango tanzenden Paaren. Das ist aber nur das Vorspiel zu einem Tango, den dann Drohnen aufführen: Die Flugbahnen der Geräte nähern sich zwar immer wieder gefährlich an, berühren sich aber nie. Hat was – auch wenn sich da eher die Dissertation selbst tanzt. (tasch, 4.11.2014, derStandard.at)

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