EU-Kommission schraubt Prognose kräftig zurück

4. November 2014, 11:03
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Österreich liegt mit 1,2 Prozent Wachstum besonders stark unter den Erwartungen. Insgesamt sinkt die Arbeitslosigkeit, hierzulande steigt sie

Brüssel – Europas Wirtschaft kommt seit Monaten nicht in Fahrt. Die Frühjahrsprognose der EU-Kommission hatte für 2014 noch ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent für die Eurozone vorausgesagt, für 2015 sogar 1,7 Prozent. Am Dienstag nimmt nun die neue Kommission die Aussichten für das Jahr 2015 auf 1,1 Prozent zurück. Auch die Wachstumserwartung für Österreich wurde gesenkt.

Die derzeitige Konjunkturschwäche könnte noch bis zu Beginn des nächsten Jahres andauern, so die EU-Kommission. Österreich sollte aber wieder starker wachsen, wenn sich die Weltwirtschaft erholt und die Exporte wieder anlaufen. Unternehmen, die sich zuletzt zurückgehalten haben, sollten Nachholbedarf beim Kauf neuer Ausstattung haben. Die ausländische Nachfrage dürfte sich zum Vorteil österreichischer Exporteure entwickeln.

Für die gesamte EU liegt die Prognose nun bei 1,5 Prozent (nach zwei Prozent). Österreichs Wirtschaft soll 2015 um nur 1,2 Prozent wachsen – anstelle von 1,8 Prozent. Für das Gesamtjahr 2014 liegt man in Österreich mit einem BIP-Plus von 0,7 Prozent besonders stark unter den Erwartungen, war die Kommission im Frühjahr doch noch von einem Plus von 1,6 Prozent ausgegangen. Positiver fällt da laut Herbstprognose der Blick auf 2016 aus. Die Eurozone soll dann 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum aufweisen, die EU auf zwei Prozent steigen. Österreich kann mit einem Plus von 1,5 Prozent rechnen.

Besonders unerfreulich sieht es laut der Prognose für Österreich auch am Arbeitsmarkt aus. Während die Arbeitslosigkeit in der Eurozone und der EU gegenüber den Frühjahrsdaten für das laufende Jahr zurückgeht, wird in Österreich eine deutliche Steigerung (von erwarteten 4,8 Prozent) auf 5,3 Prozent ausgewiesen. Die Eurozone kann mit 11,6 statt ursprünglich 11,8 Prozent rechnen, die EU mit 10,5 statt 10,3 Prozent.

Für 2015 sagt die am Dienstag präsentierte EU-Herbstprognose für Österreich sogar eine weitere Steigerung auf 5,4 Prozent voraus, ehe 2016 ein Sinken auf fünf Prozent zu erwarten ist. Der Arbeitsmarkt sei weiterhin stabil, es sollte in den nächsten zwei Jahren wieder mehr Jobs geben. Die Migration erhöhe aber das Angebot an Arbeitskräften, weshalb die Arbeitslosigkeit steigen sollte. Die Entwicklung führte zuletzt auch dazu, dass Österreich seinen Spitzenplatz mit der niedrigsten Arbeitslosenquote an Deutschland abgeben musste.

Insgesamt sieht die Lage, auch was das Wachstum betrifft, ernüchternd aus: Für heuer spricht die Herbstprognose nur mehr von einer "langsamen Rückkehr zu einem bescheidenen Wirtschaftswachstum". In Summe wird für die Eurozone heuer ein Wachstum von 0,8 Prozent prognostiziert, für die gesamte EU sind es 1,3 Prozent. Im Frühjahr war die Kommission noch von 1,2 Prozent für die Eurozone und von 1,6 Prozent EU-weit ausgegangen.

Zuvor hatten bereits IWF und OECD die Aussichten für die Eurozone sowohl für das laufende Jahr als auch für 2015 deutlich reduziert. Der Internationale Währungsfonds warnte im Oktober gar vor der Gefahr einer neuen globalen Wirtschaftskrise. Die OECD prophezeite vor gut eineinhalb Monaten ein Absacken auf 0,8 Prozent für das laufende und auf 1,1 Prozent für das kommende Jahr.

Wendepunkt lässt auf sich warten

Vor genau einem Jahr hatte die Kommission noch von einer schrittweisen Erholung und einem "Wendepunkt" nach der Rezession gesprochen. Die Frühjahrsprognose 2014 ließ auch noch leichten Optimismus aufkeimen. Statt des damals eingesetzten sanften Aufschwungs haben sich allerdings in den vergangenen Wochen eher Ernüchterung und eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in praktisch allen EU-Staaten breitgemacht. In Österreich kam es gar ganz zum Erliegen.

Erstmals präsentierte die neue EU-Kommission von Präsident Jean-Claude Juncker die neuesten Zahlen. Vizepräsident Jyrki Katainen, der für Wachstum, Investitionen, Wettbewerb und Arbeitsplätze die Oberaufsicht hat, und Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici gaben die Botschaft bekannt. (red, derStandard.at, 4.11.2014)

  • Warten auf das Wachstum: Derzeit zeigen die Indikatoren eher das Gegenteil an.
    foto: apa/gindl

    Warten auf das Wachstum: Derzeit zeigen die Indikatoren eher das Gegenteil an.

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