Altersarbeitslosigkeit: Unter die Räder gekommen

Kommentar3. November 2014, 18:27
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Ein Systemwechsel geht nicht von heute auf morgen und vor allem nicht ohne Schmerzen über die Bühne

Die Generation 50 plus kommt derzeit doppelt unter die Räder. Der Zugang zur Frühpension wurde erschwert, wegen der dahindümpelnden Konjunktur entstehen auf dem Arbeitsmarkt aber nicht genug Jobs, damit die Firmen ältere Mitarbeiter auch bis 65 behalten. Die Arbeitslosigkeit schießt daher in dieser Alterskategorie seit Monaten am stärksten nach oben - plus 14,5 Prozent waren es im Oktober.

Ganz überraschend kommt diese Entwicklung natürlich nicht. Wenn man Menschen, die bisher in Invaliditätspension gingen, nun zum Arbeitsmarktservice schickt, um sich für die letzten Berufsjahre noch neue Kompetenzen und Fähigkeiten anzueignen, muss allen klar sein, dass so ein Systemwechsel nicht von heute auf morgen und vor allem nicht ohne Schmerzen über die Bühne gehen kann.

Aus Sicht der Steuerzahler ist vorerst auch noch nichts gewonnen. Das Umschulungs- oder Weiterbildungsgeld beim AMS wird in den meisten Fällen in etwa gleich hoch ausfallen wie früher die Pension.

Die noch nicht eingetroffene budgetäre Entlastung ist aber nur das eine Problem. Viel schlimmer ist: Gelingt es auf Dauer nicht, die Konjunktur anzukurbeln, werden viele Ältere trotz Umschulung über Jahre in der Arbeitslosigkeit verharren. Beim AMS geparkt zu sein ist für die Betroffenen aber psychisch viel belastender, als Frühpensionist zu sein. Das ist die wahre sozialpolitische Bombe. (Günther Oswald, DER STANDARD, 4.11.2014)

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