Forschungseinsatz in Singapur

3. November 2014, 17:48
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Fragen rund um Auslandsaufenthalt der FFG-Chefin

Wien - Anschauungsunterricht in Sachen Proporz in Reinkultur bietet aktuell die Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Nicht, weil das Geschäftsführerduo Henrietta Egerth-Stadlhuber und Klaus Pseiner gemäß den FFG-Eigentümervertretern im Verkehrs- und Wirtschaftsministerium rot-schwarz austariert ist. Vor allem der Umgang der Ministerien mit ihren Hälfteeigentümern ist originell. Parlamentarische Anfragen zur Geschäftsführung etwa werden gemäß Eigentümerschaft beantwortet. Heißt: Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gibt Auskunft über die schwarze Reichshälfte mit Henrietta Egerth-Stadlhuber an der Spitze, Verkehrsminister Alois Stöger über die rote.

Womit klar ist, dass Nationalratsabgeordneter Gerhard Deimek mit seiner Anfrage bei Stöger abblitzte. Begehrte der FPÖ-Mandatar doch Anfang September Auskunft über Sinn, Zweck und Kosten des zehnmonatigen Aufenthalts Egerth-Stadlhubers in Singapur. Der Ende Oktober neuerlich eingereichte Fragenkatalog wurde noch nicht beantwortet.

der Standard ersuchte unterdessen um Beantwortung von Deimeks Fragen und bekam zwar nicht vom Wirtschaftsministerium Antworten, aber von der FFG. Die Kosten für die Entsendung ihrer Geschäftsführerin beziffert die FFG mit "voraussichtlich 70.000 Euro" und somit im Rahmen der vom Rechnungshof angelegten Kriterien der Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit. Sparsam sei man insbesondere bei den Büroräumlichkeiten, man nutze das Außenwirtschaftscenter der Wirtschaftskammer in Singapur in Bürogemeinschaft.

Ziel der Entsendung ist laut FFG "die weitere Etablierung und der Ausbau des Geschäftsfeldes Internationales". Egerth sei als Geschäftsführungsmitglied für den Bereich Europäische und Internationale Programme zuständig und dazu gehöre auch "die Unterstützung der österreichischen Wirtschaft und Wissenschaft in allen Belangen der Teilnahme an europäischen und internationalen Forschungs- und Technologiekooperationen." Mittels der Vor-Ort-Präsenz in Singapur sollen bilaterale Abkommen und Kooperationen mit Partneragenturen der FFG in Südkorea, Japan, Singapur, Malaysien etabliert werden, um beispielsweise lokale Förderansuchen heimischer Firmen in Asien zu ermöglichen.

Ob die FFG-Chefin dafür zehn Monate im Ausland sein muss, ist zu hinterfragen, den Posten könnte man ersatzlos streichen", sagt Deimek, "Skype wurde bereits erfunden und Staatsverträge gibt es auch." (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 4.11.2014)

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