Filmfestival Radstadt: Von religiösen und politischen Minenfeldern

3. November 2014, 17:34
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Filme über Flucht, Heimkehr und die Suche nach Humanität und Solidarität

Radstadt - Die 13. Auflage des Filmfestivals Radstadt (mit zahlreichen Salzburgpremieren) wirft ab Mittwoch ein kritisches Licht auf den Heimatbegriff sowie die (un)sozialen Folgen wirtschaftlicher Entwicklungen. Zum Auftakt läuft Bekas - Das Abenteuer von zwei Superhelden: Der kurdische Regisseur Karzan Kader siedelt sein Drama um zwei Waisenkinder im Irak des Jahres 1990 an. Eine Vorführung von Superman lässt die USA zur "Stadt ihrer Träume" werden, einem magischen Ort, an dem sie unbedingt leben wollen. Mit ein wenig Verpflegung, einer Landkarte und einem Esel namens Michael Jackson machen sich die zwei auf die Reise.

Offiziell wird das Festival mit Jimmy's Hall eröffnet: Die Werke des Briten Ken Loach kreisen meist um Klassenkampf und Solidarität, so auch sein jüngster Film, wohl einer der letzten noch ausschließlich analog gedrehten und geschnittenen. So spielt denn auch die Handlung in der Vergangenheit, im Irland der 1930er, in das der vor den Bürgerkriegswirren 1922 nach Amerika geflohene Protagonist zurückkehrt. Im lokalen Tanzsaal prallen erzkonservativer religiöser Fanatismus und Lebenslust aufeinander. Ein anderes, seit Jahrzehnten bestehendes religiöses wie politisches Minenfeld thematisiert Ziad Doueiri in L' Attentat - The Attack: Ein Selbstmordattentat in Tel Aviv bringt eine erschütternde Wahrheit ans Licht.

Von mangelnder Solidarität handelt der jüngste Streifen von Jean-Pierre und Luc Dardenne: In Zwei Tage, eine Nacht kämpft Marion Cotillard um ihren Job. Uwe Krüger reiste für Der Stab, der Geiger und die Höhlenforscher ins Tote Gebirge.

Ebenfalls in dieser Gegend, nämlich in Ebensee, ist Sebastian Brameshubers Dokumentarfilm Und in der Mitte, da sind wir angesiedelt: ein unromantisches Porträt der lokalen Jugend zwischen Rechtsradikalismus, Brauchtum und McDonald's. Die Regisseure der beiden letztgenannten Filme sind anwesend. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 4.11.2014)

5.-8. 11.: Zeughaus, Radstadt, 06452/71 50, Mittwoch ab 16.00

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www.daszentrum.at

  • Religiöser Fanatismus und Lebenslust prallen im Film "Jimmy's Hall" aufeinander, der zur Eröffnung des Filmfestivals Radstadt gezeigt wird.
    foto: bernard walsh / sixteen films

    Religiöser Fanatismus und Lebenslust prallen im Film "Jimmy's Hall" aufeinander, der zur Eröffnung des Filmfestivals Radstadt gezeigt wird.

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