"Die Ziege oder Wer ist Sylvia?": Tierisch verliebt

3. November 2014, 17:34
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Sodomistisches Treiben von Edward Albee im Treibhaus Innsbruck

Architekt Martin Gray hat es geschafft. Mit gerade mal fünfzig Jahren wird ihm der Pritzker-Preis zugesprochen und sein Entwurf zum Milliardenprojekt "Metropole der Welt" hat eben das Rennen gemacht. Auch privat scheint alles paletti. Er liebt seine Frau, sie ihn, und sein siebzehnjähriger Sohn ist zwar schwul - aber mein Gott, soll er doch! Dennoch, irgendetwas läuft unrund mit Martin. Er ist hoffnungslos verliebt. In Sylvia. Und - Sylvia ist eine Ziege! Mit dieser einigermaßen schockierenden Offenbarung gerät die Vorzeigeehe aus den Fugen. "Ziegenficker" ist ab nun das meiststrapazierte Vokabel. Das Staatstheater - Innsbrucks schrille Off-Theatertruppe - zeigt Edward Albees radikale Eifersuchtsgroteske "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" in der Inszenierung von Verena Schopper im Treibhaus.

Klaus Rohrmoser ringt als Martin flehend und trotzig um Verständnis für seine tiefen Gefühle. Ute Heidorn zieht als Ehefrau Stevie alle emotionalen Register ihrer Fassungslosigkeit und ihres Abscheus. Carmen Gratl als exaltierte Journalistin sorgt sich um das Gerede der Menschen. Alexander Rainer als Sohn Billy versucht verzweifelt, seinen Vater dennoch zu lieben. Ausstatterin Esther Frommann verzerrt mit übergroßen Requisiten die Proportionen und erweckt den Eindruck eines Puppenhauses. Den Figuren schneidert sie gediegen gemustertes Tuch an den Leib. Gar nicht gediegen, sondern reichlich brutal dafür das Ende. (dns, DER STANDARD, 4.11.2014)

Treibhaus Innsbruck, nächste Termine: 5., 6., 11., 12. 11., 20.15

www.staatstheater.at

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