Air-Berlin-Chef Prock-Schauer tritt zurück 

3. November 2014, 17:34
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Österreicher legt mit 1. Februar 2015 Amt auf eigenen Wunsch nieder - Stefan Pichler wird Nachfolger

Wien/Berlin - Der gebürtige Österreicher, Wolfgang Prock-Schauer (57) ist am Montag überraschend als Air-Berlin-Chef zurückgetreten. Ab 1. Februar übernimmt Stefan Pichler (56) den Chefsessel der chronisch defizitären Airline an der Etihad eine maßgebliche Beteiligung hält.

Prock-Schauer, der erst im Jänner 2013 Vorstandschef wurde, werde weiter innerhalb der Gruppe tätig sein wird und seine frühere Funktion für Strategie und Planung übernehmen, hieß es in einer Aussendung. Prock-Schauer hatte seinerzeit den jetzigen Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn abgelöst.

Pichler ist seit 25 Jahren in der Luftverkehrsbranche tätig, besitze Erfahrungen in der Führung von Low-Cost-, Charter- und Linienfluggesellschaften mit profitablen Streckennetzen. Zuletzt war er bei Fiji Airways tätig, wo er ein Turnaround-Programm durchsetzte, um die Fluggesellschaft, ehemals Air Pacific, wieder in die Gewinnzone zu führen.

Air Berlin, die Mutter von FlyNiki, steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Die arabische Airline Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und muss die Berliner seither finanziell unterstützen.

Der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft droht indessen weiterer Ärger von den Aufsichtsbehörden. Das deutsche Luftfahrtbundesamt (LBA) befindet sich nach den Worten seines Präsidenten Jörg Mendel in der finalen Phase einer genauen Prüfung zur Eignerstruktur der Niki-Mutter. Der entsprechende Bericht werde "in den nächsten Wochen" vorgelegt, sagte der LBA-Chef.

Wandelanleihen

Es geht dabei um die Frage, ob die arabische Airline Etihad das deutsche Unternehmen beherrscht. Etihad aus Abu Dhabi hält zwar offiziell nur 29,2 Prozent der Anteile, hat aber mit millionenschweren Wandelanleihen und dem Ankauf des Bonusprogramms Air Berlin vor dem Untergang gerettet.

An den Mehrheitsverhältnissen hängen die Verkehrsrechte Air Berlins in Europa. Um diese zu behalten, muss das Unternehmen mehrheitlich in der Hand von EU-Europäern bleiben. Zu dieser Frage habe man umfangreiche Unterlagen eingesehen, sagte Mendel. Aktuell weist Air Berlin 55,34 Prozent deutsche Eigentümer aus, was aber nicht das alleinige Kriterium der Beherrschung ist.

Die deutsche Bundesregierung verhandelt nun mit den Vereinigten Arabischen Emiraten über eine Neufassung des gegenseitigen Luftverkehrsabkommens. (cr, DER STANDARD, 4.11.2014)

  • Wolfgang Prock-Schauer  verlässt den Verwaltungsrat, wird aber im Vorstand wieder den Posten des Chefstrategen übernehmen.
    foto: apa/neubauer

    Wolfgang Prock-Schauer verlässt den Verwaltungsrat, wird aber im Vorstand wieder den Posten des Chefstrategen übernehmen.

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