Europa hinkt Zielen kläglich hinterher

3. November 2014, 11:43
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Ernüchternde Europa-2020-Bilanz: Ziele hinsichtlich Beschäftigung und Armutsvermeidung werden verfehlt, Österreich hält sich tapfer

Wien - Die Halbjahresbilanz hinsichtlich der Europa-2020-Strategie, die das Wifo in einer aktuellen Aussendung zieht, fällt "ernüchternd aus. Glaubt man den Wirtschaftsforschern, so werden die Ziele hinsichtlich Beschäftigung und Armutsvermeidung verfehlt.

Die Energieziele könnten bei verstärkte Bemühungen noch erreicht werden, sie waren allerdings sehr niedrig angesetzt. Konkret werde Österreich hinsichtlich des Anteils an erneuerbarer Energie sein Ziel erreichen, bezüglich der Steigerung der Energieeffizienz werde das Ziel bisher aber deutlich verfehlt. Die Treibhausgas-Emissionen seien nicht verringert worden, sondern hätten zugenommen.

Das Ziel einer Steigerung der EU-Beschäftigungsquote auf 75 Prozent bis 2020 werde nicht erreicht - derzeit seien es 69 Prozent, das Defizit gegenüber dem Ziel betrage also 16 Millionen Personen. Und statt dass die Zahl der in der EU von Armut und Ausgrenzung Betroffenen oder Bedrohten bis 2020 um 20 Mio. sinkt, sei sie bisher um 10 Mio. auf 124 Mio. gestiegen.

Bildungsziele erreichbar

Einzig was die Bildungsziele betrifft, so halten sie die Wirtschaftsforscher dieses EU-Ziel für erreichbar. Es lautet wie folgt: Die Schulabbrecherquote unter zehn Prozent zu drücken und die Zahl der Hochschulabschlüsse auf 40 Prozent der Jugendlichen zu erhöhen.

Österreich zähle in der Europa-2020-Halbzeitbilanz zu den erfolgreicheren Ländern, bleibe aber ebenfalls hinter den Zielvorgaben zum Beispiel für Forschung, Verringerung der Treibhausgasemissionen und Steigerung der Energieeffizienz zurück. Das ehrgeizige Ziel einer Steigerung der Beschäftigungsquote auf 77 bis 78 Prozent könnte dem Institut zufolge aber immerhin erreicht werden - schon 2013 lag die Quote mit 75,7 Prozent über dem EU-Ziel, und sie werde auch 2014 steigen. Die Zahl der von Armut und Ausgrenzung Betroffenen sank zwischen 2008 und 2013 um rund 130.000 - etwas mehr als die Hälfte der angestrebten Reduktion bis 2020. Der Anteil der Schulabbrecher sei wie geplant gesenkt worden.

Rückfall in Rezession vermeiden

Woran es für das Wifo keine Zweifel gibt: Die Europäische Union müsse aus Sicht des kurzfristig einen Rückfall der EU in die Rezession verhindern und die Absichtserklärungen für Wachstum und Beschäftigung schneller umsetzen. Langfristig seien Innovationen und hohe soziale und Öko-Standards nötig. (red, derStandard.at, 3.11.2014)

  • Der Blick in die Zukunft sieht nicht erfreulich aus, wenn man den Wirtschaftsforschern Glauben schenkt.
    foto: ap/endlicher

    Der Blick in die Zukunft sieht nicht erfreulich aus, wenn man den Wirtschaftsforschern Glauben schenkt.

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