Halloween: Wenn die Polizei pädagogisch wird

Blog3. November 2014, 18:03
216 Postings

Eine Vorab-Warnung des Bundeskriminalamts an Kinder und Jugendliche, sich zu Halloween ruhig zu verhalten, vermittelt ein höchst autoritäres Selbstbild der Behörden.

Wie schon davor in allen Jahren, seit Kinder und Jugendliche auch in Österreich das aus dem angelsächsischen Raum kommende Fest Halloween feiern, ist die Nacht des 31. Oktober auf den ersten November relativ ruhig verlaufen – verlautbart die Polizei.

In Linz fiel ein 17-Jähriger in ein Loch, als er nach dem fehlgeschlagenen Versuch, einen Altglascontainer – wie es im Polizeibericht heißt - zu sprengen, davonrannte. Er musste von der Rettung ins Spital gebracht werden.

Süßes oder Saures?

Ebenfalls in Linz war von der Polizei (Eltern hatten sie gerufen) ein Elfjähriger rasch ausgeforscht: Er hatte Freundinnen und Freunde mit dem Taschenmesser bedroht, um an ihre Süßigkeiten zu kommen. Und in Graz ertappte ein Mann drei Buben um die 13 Jahre, die bei ihm angeläutet hatten, im Vorzimmer dabei, wie sie versuchten, seine Autoschlüssel an sich zu nehmen. Die von ihm alarmierte Polizei fand die drei rasch, obwohl sie sich vom "Tatort" au dem Staub gemacht hatten.

Derlei Manifestationen krimineller Energien von Kindern und Jugendlichen hatte das Bundeskriminalamts schon kommen sehen. In einer Aussendung, die von unter anderem der Landespolizeidirektion Steiermark fast wörtlich übernommen wurde, sprach die Behörde vorab eine ernste Warnung aus.

Auch aus Kleinigkeiten werden Tatbestände

Das Schreiben ist in einem Ton gehalten, bei dem man sich fragt, ob sich in Österreich seit den Zeiten Hadschi Bratschis Luftballons im Verhältnis der Polizei zu Kindern Substanzielles zum Besseren verändert hat. Es bläst auch Kleinigkeiten zu strafrechtlich verdächtigen Tatbeständen auf,

"Viele Streiche verursachen keine Schäden, aber es gibt auch Streiche die Folgen nach sich ziehen", wandte sich in der Steiermark da Amtsdirektor Maximilian Ulrich an Halloween närrische Kinder und Jugendliche samt deren Barzahlern, die Eltern. Zwar wolle die Polizei "kein Spaßverderber sein" und ersuche daher alle, "den friedlichen Charakter dieses Brauches zu bewahren".

Bericht ans Jugendamt

Doch seien "das Bewerfen von Hauswänden mit Farbe, das Verkleben von Türschlössern oder Zerkratzen von Fahrzeugen keine Scherze oder erlaubte Handlungen, sondern Sachbeschädigungen". Auch wenn Jugendliche unter 14 Jahren noch nicht strafrechtlich belangt werden können, könnten "Geschädigte zivilrechtliche Forderungen und die Wiedergutmachung des entstandenen Schadens einklagen". Zudem erfolge "ein Bericht an das zuständige Jugendamt".

Nun wird kein vernunftbegabter Mensch beschmierte Wände, verklebte Schlösser oder gar Kratzspuren im Lack seines oder eines anderen automobilen Alter Egos für richtig finden. Wer Kinder hat oder näher kennt, wird sie von derlei Handlungen abzuhalten versuchen. Dazu aber braucht es kein vorverurteilendes Schreiben wie dieses, das den angesprochenen Kindern und Jugendlichen nichts als ein autoritäres Bild von Behörden wie Polizei, Gericht oder Jugendamt vermittelt.

Ein Bild, das Polizei, Gericht oder Jugendamt, wie sie heuer wirklich sind, keineswegs entspricht. Oder?

Betrugsanzeigendrohung

Auf alle Fälle folgt die Halloween-Warnung der seit Jahren beobachtbaren Tendenz, bei Missverhalten von Kindern und Jugendlichen aus Mücken Elefanten zu machen. Wie weit das gehen kann, zeigt ein leider wahres Beispiel aus einem Wiener Gymnasium, wo ein Lehrer Schülern, die Teile einer Schularbeit-Beantwortung aus dem Internet kopiert hatten, allen Ernstes eine Betrugsanzeige bei der Polizei androhte.

Dabei das Schlimmste: Von allen betroffenen Eltern protestierte nur ein einziges Paar. Alle anderen krochen zu Kreuze und flehten für ihren Nachwuchs um Gnade - erfolgreich. Während das Kind der "Aufmüpfigen" in der Folge aus der Schule genommen wurde.

Verhältnis zum Bürger

Die "Moral" von alldem? Vielleicht ist die Einstellung zu Kindern und das Verhältnis der Behörden zu den Bürgern in Österreich doch noch weit autoritärer, als es dem offiziellen Gesellschaftsbild entspricht – Kinderrechte (zumindest teilweise) in der Verfassung ja oder nein.

  • Artikelbild
    Foto: AP/Farrell
Share if you care.