Burkina Faso: Übergangspräsident verspricht Konsensregierung

Video3. November 2014, 15:55
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Nach Protesten Ruhe in den Straßen der Hauptstadt eingekehrt

Ouagadougou - Unter dem Druck neuer Proteste und der Androhung wirtschaftlicher Sanktionen scheint Burkina Fasos neuer starker Mann, Oberstleutnant Isaac Zida, den Weg für eine Übergangsregierung unter ziviler Führung zu ebnen. Ein "Übergangsgremium" werde im Rahmen der Verfassung die Regierungsgeschäfte führen, versprach Zida am Montag in Ouagadougou.

An deren Spitze solle eine Persönlichkeit stehen, auf die sich alle "Vertreter des öffentlichen Lebens" einigen sollen, so Zida weiter.

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Oppositionsführerin Sereme spricht vor der Menge.

Der 49-jährige Zida äußerte sich bei einem Treffen mit dem diplomatischen Korps im Außenministerium. Was genau er mit einem "Übergangsgremium" meinte, ließ der neue Machthaber offen. Auch nannte er keinen konkreten Zeitplan für den Übergangsprozess.

Nach dem von Massenprotesten erzwungenen Rücktritt des langjährigen Staatschefs Blaise Compaore am Freitag hatte das Militär die Macht in dem westafrikanischen Land übernommen. Zunächst beanspruchte Armeechef Honore Traore das Amt des Übergangspräsidenten für sich, dann wurde er jedoch durch den bisherigen Vize-Chef der Präsidentengarde, Zida, ersetzt. Opposition und Bürger fordern allerdings einen zivilen Übergangsprozess und demonstrierten dafür am Sonntag in Ouagadougou mit einer Großkundgebung.

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Demonstration in Ouagadougou am Sonntag.

Am Sonntagabend traf sich Zida mit den Botschaftern Frankreichs, der USA und der EU sowie mit dem UN-Sondergesandten für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas. UNO, Afrikanische Union (AU) und die Organisation der westafrikanischen Staaten (Cedeao) drohten mit Sanktionen, sollte das Militär die Macht nicht wieder an eine zivile Regierung abgeben.

Beratungen am Montag

Für Montag waren Beratungen der Opposition unter ihrem Führer Zephorin Diabre vorgesehen. Auch der AU-Friedens- und Sicherheitsrat wollte sich in Addis Abeba mit der Lage in Burkina Faso befassen.

Nach den von der Armee gewaltsam beendeten Protesten am Vortag herrschte am Montag in Ouagadougou wieder weitgehend Ruhe. Der größte Markt der Hauptstadt war nach einer sechstägigen Schließung ebenso wieder geöffnet wie die Banken.

Vergeblich hatten Ex-Verteidigungsminister Kouame Lougueesowie die Chefin einer kleineren Oppositionspartei, Saran Sereme, am Sonntag noch versucht, sich unabhängig voneinander im Staatsfernsehen zum neuen Übergangspräsidenten auszurufen. Techniker unterbrachen die Übertragung, die Rundfunkzentrale wurde von der Armee besetzt.

"Compaore war 27 Jahre lang an der Macht, doch ist das noch lange kein Grund dafür, dass wir nun vier Präsidenten in drei Tagen haben", witzelte daraufhin ein Einwohner auf dem Online-Kurzbotschaftendienst Twitter. (APA, 3.11.2014)

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