"Polizeiruf 110: Familiensache": Besitzstandswahrung

2. November 2014, 17:44
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Da wie dort stellt sich dieselbe Frage: Wie gehen Männer damit um, wenn ihnen ihre Familie abhandenkommt?

"Besitzstandswahrung", sagt Ermittlerin Katrin König einmal im "Polizeiruf 110: Familiensache". Mit dieser einen lakonischen Bemerkung ist schon ziemlich treffend zusammengefasst, worum es in dieser Folge geht - privat wie beruflich.

Da meuchelt ein Familienvater seine halbe Sippe hin. Mit den besten Absichten, natürlich. Die Frau hat ihn verlassen und einen Neuen; er kann nicht dulden, dass die gemeinsamen Kinder dieses Elend mitansehen müssen.

Im Privaten wiederum wird die Affäre des Kollegen Thiesler mit der Frau des Kommissars Bukow immer offenbarer. Und selten sind Privatangelegenheiten und Mordfall so unaufgeregt und stimmig verwoben worden. Da wie dort stellt sich dieselbe Frage: Wie gehen Männer damit um, wenn ihnen ihre Familie abhandenkommt? Oder anders gesagt: Was tut man, wenn einem jemand sein Eigentum wegnimmt?

Wie Andreas Schmidt den mordenden Familienvater spielt, das ist ein bedrückendes Psychogramm. Bedrückend deshalb, weil man seine Tat, wenn schon nicht verstehen, so doch nachvollziehen kann. Sein Leben bricht ihm unter den Füßen weg, er braucht einen Ausweg. Man sieht, wie ihm die Verzweiflung körperlich zusetzt, mit der er seinen Plan zu beenden sucht. Nicht, weil er das will - weil er muss.

Was Katrin König so deutlich ausspricht, das wabert als Tatsache durch diese ganze Geschichte: dass die Frau immer noch Besitztum ist. Etwas, über das gesprochen, verhandelt und geurteilt wird. Ein Todesurteil ist da nur die letzte Konsequenz. Das wird hier nicht als Betroffenheitskino inszeniert, sondern als schlichter Fakt. Das macht diesen "Polizeiruf" (ARD, Sonntag um 20.15 Uhr) so sehenswert. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 03.11.2014)

  • Artikelbild
    foto: ndr/christine schroeder
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