Ecclestone gibt Fehler zu und will als Retter auftreten

2. November 2014, 17:37
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Pleiteangst und Privilegien in der Zweiklassen-Gesellschaft

Austin - Im Kampf um Macht und Millionen droht der Formel 1 der Kollaps. Angesichts der Finanzprobleme steckt die Königsklasse in einer der schlimmsten Krisen ihrer Geschichte. Während die kleinen Teams die Panik vor der nächsten Pleite gepackt hat, pochen mächtige wie Ferrari oder Mercedes im Streit um eine Reduzierung der Kosten oder eine Reform der Verteilung der Preisgelder auf ihre Privilegien. Die Formel 1 fährt einen Crashkurs.

"Wir sollten alle laufenden Verträge zerreißen und neu anfangen", sagte Chefpromoter Bernie Ecclestone vor dem GP der USA, der am Sonntag nach Blattschluss in Austin/Texas abgewickelt wurde, unter dem Eindruck der Insolvenz von Caterham und Marussia. "Das Problem? Zu viel Geld wird schlecht verteilt. Das ist wahrscheinlich mein Fehler.

Ecclestone regelt den Fluss der Preisgelder ("Bernie Money"). Der genaue Verteilungsschlüssel der angeblich mehr als 800 Millionen Euro, die pro Jahr ausgeschüttet werden, ist nicht bekannt. Aber die großen Teams wie Ferrari, McLaren oder Mercedes werden überproportional begünstigt. Eine zumindest im Ansatz solidarische Verteilung der Einnahmen wie etwa in der Fußball-Bundesliga ist der Formel 1 bisher fremd. Auch darum sind Caterham und Marussia am Ende und Teams wie Sauber, Lotus oder Force India von der Pleite bedroht.

Laut Ecclestone würden sich aber vier Teams gegen eine neue Verteilung der Einnahmen sperren. Und so wachsen Wut und Verzweiflung bei den Kleinen. "Was muss denn noch geschehen, damit etwas passiert?", fragte Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn. Vijay Mallya, Besitzer von Force India, sagte: "Wir müssen eine Lösung finden, die sicherstellt, dass alle überleben können." Doch im Haifischbecken Formel 1 ist kein Mitleid zu erwarten. "Man ist nicht dazu verpflichtet, mehr auszugeben, als man hat", sagte etwa Mercedes-Teamchef Toto Wolff und zielte damit auf Caterham und Marussia, die sich die Reise nach Texas nicht mehr leisten konnten.

Weil es immer so war

"Wenn zwei Teams verschwinden, stecken dahinter persönliche Schicksale und persönliche Dramen von Familien", hielt Wolff im Interview mit der Welt am Sonntag fest. "So etwas darf man nie auf die leichte Schulter nehmen. Aber andererseits: So war die Formel 1 schon immer." (sid; fri, DER STANDARD, 3.11.2014)

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