Alaba, Hirscher und die Extrawürste

2. November 2014, 17:17
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Raiffeisen-Marketingdirektor Leodegar Pruschak hält den ÖSV-Unmut nach David Alabas Wahl zum Sportler des Jahres für "einigermaßen nachvollziehbar"

Wien - Es gibt Feste, die wirken tagelang nach. Die Gala "Nacht des Sports" war ein solches Fest, und das nicht nur deshalb, weil dort 1600 Festgäste in sich hineinschaufeln und -schütten können, ohne auch nur einen Cent zu berappen. Dafür stehen Sponsoren gerade, die im Gegenzug davon profitieren, dass sie präsent sind, speziell im ORF, der auch am Donnerstag eineinhalb Stunden lang live aus dem Austria Center Vienna übertrug. Natürlich ist es der Wunsch der Sponsoren, dass sich Sieganwärterinnen und Sieganwärter persönlich blicken lassen. "Aber Druck werde ich sicher auf niemanden ausüben", sagt Leodegar Pruschak.

Pruschak ist Raiffeisen-Marketingdirektor, als solcher befand er sich in einer Win-win-win-Situation. Raiffeisen sponsert das Fußball-Nationalteam und also David Alaba, der in der Wahl zum "Sportler des Jahres" einen hauchdünnen Sieg davontrug, sponsert aber auch Marcel Hirscher, der nach seinem Sieg 2012 zum zweiten Mal Zweiter wurde, und Anna Fenninger, die als "Sportlerin des Jahres" wie Alaba den zweiten Erfolg en suite landete. Pruschak saß bei der Bekanntgabe neben Hirscher, er lobt dessen "souveräne, faire Reaktion. Das war nicht leicht für ihn, natürlich hätte er gerne gewonnen." Der Unmut, den Alabas Wahl im Skiverband (ÖSV) nach sich zog, ist für Pruschak "einigermaßen nachvollziehbar". Insgesamt sei es "toll, wenn ein Land zwei so herausragende Sportler hat".

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum hatte die Abwesenheit von Alaba, der über eine TV-Leitung aus München eingespielt wurde, via Standard sozusagen als eine Extrawurst kritisiert und angedeutet, dass künftig auch ÖSV-Sportler die Gala auslassen könnten. Pruschak merkt an, die Gala finde wohl nicht zufällig zwischen dem Weltcupstart in Sölden und den Nordamerikarennen statt. So werde dem ÖSV, der traditionell viele Favoriten stellt, eine starke Präsenz ermöglicht. "Beim FC Bayern macht der Trainer zwei Tage vor einem Spitzenspiel halt keine Extrawürste für David."

"Unsere Erfolge sind nicht so honoriert worden, wie wir uns das erwartet haben", hatte Pum erklärt. Das kann laut Pruschak auch damit zu tun haben, dass die Skisaison zum Wahlzeitpunkt quasi Schnee von gestern ist, während Erfolge des von Alaba angeführten ÖFB-Teams frisch seien. Der Raiffeisen-Marketingdirektor hält für möglich, dass an zuständiger Stelle über Termin und auch Wahlmodus nachgedacht wird. Doch auch darauf wolle und könne Raiffeisen, sagt Leodegar Pruschak, "nicht Einfluss nehmen". (Fritz Neumann, DER STANDARD, 3.11.2014)

  • Pruschak war bei der Galanacht in einer Win-win-win-Situation.
    foto: apa/neubauer

    Pruschak war bei der Galanacht in einer Win-win-win-Situation.

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