Bald drittgrößte "Stadt" Österreichs kämpft um ihren Ruf

3. November 2014, 05:29
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Viele Arbeitslose, hohe Kriminalität: Neue Stadtteile sollen das Image des Bezirks Favoriten verbessern

Wien - Die Favoritner gehen mit ihrem Image recht gelassen um. Immerhin gilt der zehnte Hieb schon seit Jahrzehnten als Problembezirk. Die Kriminalitätsrate ist hoch, sehr hoch. 21.101 Straftaten wurden laut dem aktuellen Sicherheitsbericht 2013 angezeigt, um 2600 mehr als ein Jahr zuvor. Auf den Plätzen folgen der zweite (17.789) und erste Bezirk (15.944). Diese haben zwar deutlich weniger Einwohner als der bevölkerungsreichste Wiener Bezirk Favoriten, dafür tummeln sich dort auch viel mehr Touristen, die Opfer strafbarer Handlungen werden können.

Auch in Sachen Arbeitslosigkeit sind die Favoritner Spitzenreiter. 13.000 Arbeitslose waren laut Arbeitsmarktservice im September 2014 in Favoriten gemeldet. Damit ist man der einzige Wiener Bezirk mit mehr als 10.000 Arbeitslosen.

Platz eins hat Favoriten aber nicht nur in absoluten Zahlen. Laut der abgestimmten Erwerbsstatistik 2012 - das sind die aktuell verfügbaren Daten - hält der zehnte Bezirk bei einer Arbeitslosenquote von 13,8 Prozent. Das hat die Statistik Austria für den Standard errechnet. Die Arbeitslosenquote in der abgestimmten Erwerbsstatistik 2012 war in Wien 10,4 Prozent.

Irgendeinen Flair muss der Bezirk aber haben. Denn abschrecken lassen sich Bürger von diesen Zahlen nicht. 185.000 Menschen lebten laut Wiener Bevölkerungsregister Anfang des Jahres in Favoriten, der Ausländeranteil beträgt 27,9 Prozent. 2004 waren es 22.000 Einwohner weniger. Spätestens 2019 soll laut Prognosen die Marke von 200.000 Einwohnern geknackt werden. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte Favoriten die ebenfalls wachsende Stadt Linz (194.500 Einwohner) geschnupft haben: Favoriten wäre dann nach Wien und Graz die nach Einwohnern drittgrößte "Stadt" Österreichs.

Bleibt das Image des Problembezirks: Das soll etwa durch die Entwicklung des Areals rund um den neuen Hauptbahnhof samt riesigem Einkaufszentrum verschwinden. Im neuen Wohngebiet Sonnwendviertel, wo insgesamt 5000 Wohnungen entstehen, wurde jüngst der modernste Bildungscampus Österreichs für Null- bis 14-Jährige eröffnet.

Neue Stadtteile mit Büros und Wohnungen sollen auch am Verteilerkreis und im Viola Park nahe der Generali Arena entstehen. In der ehemaligen Ankerbrotfabrik nahe der Südosttangente hat sich im Arbeiterbezirk eine bemerkenswerte Kunst- und Kulturszene entwickelt. Vor kurzem ist auch die Caritas eingezogen - etwa mit dem Restaurant Magdas Kantine, in dem Arbeitslose kochen. Mit der Verlängerung der U1, die 2017 nach Oberlaa führen wird, soll der Bezirk einen weiteren Entwicklungsschub bekommen. (David Krutzler, DER STANDARD, 3.11.2014)

  • Im Sonnwendviertel hinter dem neuen Hauptbahnhof entstehen insgesamt 5000 Wohnungen für etwa 13.000 Menschen.
    foto: der standard/corn

    Im Sonnwendviertel hinter dem neuen Hauptbahnhof entstehen insgesamt 5000 Wohnungen für etwa 13.000 Menschen.

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