Arbeitszeitverkürzung für Kinderbetreuung 

2. November 2014, 16:10
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In Deutschland ist eine Debatte um die 32-Stunden-Woche für Eltern im Laufen. Finanziert werden soll das neue Modell aus Steuermitteln

Salzburg – Gesine Schwan, Politikwissenschafterin und zweimal Präsidentschaftskandidatin der SPD, ist von der Idee restlos begeistert: Im Sinne einer "partnerschaftlichen Familie" sollten Männer und Frauen beide weniger arbeiten, um eine partnerschaft liche Kinderbetreuung zu ermöglichen. Konkret spricht Schwan von einer 32-Stunden-Woche.

Da aber "die Verkäuferin und der Lagerarbeiter" nicht auf 20 Prozent ihres Einkommens verzichten könnten, müsste der Staat die Differenz übernehmen, erläuterte Schwan im Rahmen einer von der Universität Salzburg veranstalteten "Salzburger Vorlesung" vergangene Woche im Gespräch mit Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz und Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid ihr Modell.

Zusatzbelastung

Der Vorschlag sei über fünf Jahre lang an der (inzwischen insolventen) Berliner Hochschule für Politikentwicklung und -management, der Humboldt-Viadrina School of Governance, "mit den Arbeitgebern durchgespielt" worden. Schwan ist Präsidentin dieser Hochschule. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) beziehungsweise ihre Büroleiterin sei in das Projekt eingebunden gewesen. Laut einer Berechnung der Friedrich-Ebert-Stiftung würde das Modell den Familienetat mit 30 bis 60 Millionen Euro jährlich belasten, berichtete Schwan in Salzburg.

Manuela Schwesig versuche nun, dieses Modell einer 32-Stunden-Woche für junge Eltern umzusetzen. Noch im Jänner habe es von Wirtschaftsseite geheißen, das Modell sei nicht finanzierbar, sagt Schwan. Regierungssprecher Steffen Seibert hat Schwesigs Vorstoß als "persönlichen Debattenbeitrag" abgetan.

Arbeitgeber für 35 Stunden

Nun aber hätten auch die Arbeitgeber festgestellt, dass das Modell betriebswirtschaftliche Vorteile habe: "Wenn die Leute 80 Prozent arbeiten und zufrieden sind, kommt mehr dabei raus, als wenn sie unzufrieden 100 Prozent arbeiten."

Inzwischen trete auch der Deutsche Industrie- und Handelstag für eine 35-Stunden-Woche für Eltern ein. Auch die IG Metall – "eine reine Männergewerkschaft" – würde nach einer Mitgliederumfrage das Modell unterstützen und sogar eine 30-Stunden-Woche für Eltern befürworten.

Dass der Vorschlag noch nicht umgesetzt ist, irritiert Schwan kein bisschen. "Das ist das Bohren dicker Bretter, wir ackern weiter", gibt die Politikwissenschafterin den weiteren Weg vor. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 3.11.2014)

  • Für Eltern und besonders Mütter ist es nicht einfach, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ein neues Arbeitszeitmodell soll hier Abhilfe schaffen.
    foto: dpa/rainer jensen

    Für Eltern und besonders Mütter ist es nicht einfach, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ein neues Arbeitszeitmodell soll hier Abhilfe schaffen.

  • Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Gesine Schwan und Renata Schmidtkunz (v. li.) sprechen über Arbeitsmodelle.

    Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Gesine Schwan und Renata Schmidtkunz (v. li.) sprechen über Arbeitsmodelle.

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