Nach Absturz der Raumfähre "SpaceShipTwo": Branson gibt nicht auf

Video3. November 2014, 11:52
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Herber Rückschlag für die private Raumfahrt - Unternehmer will Weltalltourismus-Pläne vorantreiben

Nach dem Absturz des Passagier-Raumflugzeugs "SpaceShipTwo" hat Milliardär Richard Branson eine lückenlose Aufklärung des Unfalls versprochen. Zugleich seien er und sein Unternehmen Virgin Galactic entschlossen, aus den Fehlern der Katastrophe zu lernen und den Traum vom Weltraumtourismus weiter voranzutreiben.

Risiko

"Wir verstehen, dass Risiken bestehen, und wir werden nicht blind vorpreschen. Das zu tun, wäre eine Beleidigung für alle, die von der Tragödie betroffen sind", sagte Branson. Die Raumfähre war am Freitag bei einem Testflug über Kalifornien abgestürzt, der Co-Pilot kam ums Leben, der Pilot wurde verletzt. Das Unglück ist ein gewaltiger Rückschlag für Branson, der im kommenden Jahr erstmals Privatleute an die Grenze des Weltalls befördern wollte.

Am Samstag trafen mehr als ein Dutzend Ermittler der US-Behörde für Transportsicherheit NTSB in Kalifornien ein, um die Absturzstelle in der Mojave-Wüste zu besichtigen, Daten zu sammeln und Zeugen zu befragen. Diese Arbeiten würden etwa eine Woche dauern, berichtete der Nachrichtensender CNN am Sonntag. Weil es ein Testflug war, sei alles genau überwacht worden, sagte der NTSB-Vorsitzende Christopher Hart. So gab es sechs Kameras an Bord der Raumfähre und drei weitere im größeren Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo". Hart zeigte sich daher zuversichtlich, die Absturzursache zu finden. Bis alle Daten ausgewertet und die Untersuchung abgeschlossen sei, könnten bis zu zwölf Monate vergehen.

storyful, youtube/ntsb
Statement zum Absturz

Angebot

Bereits gekaufte Tickets für die Passagierflüge ins All könnten jederzeit erstattet werden, versicherte Branson. Rund 700 Menschen hatten bereits Plätze für je 250.000 US-Dollar (rund 198.000 Euro) gebucht, die ersten Flüge sollten kommendes Jahr starten. Darunter sind auch Prominente wie Lady Gaga, Angelina Jolie oder Leonardo DiCaprio. Virgin Galactic habe das Geld noch nicht verwendet, sagte Branson.

Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere rettete sich mit einem Fallschirm. Er wurde schwer verletzt. Ihn zu befragen, sei aufgrund seines Zustands noch nicht möglich gewesen, sagte Hart. 2007 waren bei einem Test für das Triebwerk der "SpaceShipTwo"-Rakete bereits drei Menschen ums Leben gekommen.

"SpaceShipTwo" war am Freitag von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles abgehoben. Es wurde vom Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" in die Höhe gebracht und dann ausgeklinkt. Nach Medienberichten kam es dann in einer Höhe zwischen 13 und 15 Kilometern zu Problemen. Die Flugaufsichtsbehörde FAA teilte mit, nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Sie ermittelt nun ebenfalls. Das Mutterflugzeug hingegen landete sicher.

Tests

Es war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Jänner. Berichten von Experten zufolge wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung genutzt, die zuvor aber ausgiebig getestet worden sein soll. Insgesamt war es der 55. Testflug. Die maximale Flughöhe sollte 110 Kilometer betragen, also knapp über der Grenze zum Weltraum. Diese liegt bei einer Höhe von 100 Kilometern.

Der Unfall ist der zweite Rückschlag für die private Raumfahrt binnen weniger Tage. Am Dienstag war der unbemannte Raumtransporter "Cygnus" Sekunden nach dem Start im US-Staat Virginia explodiert. Er sollte Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen.

Nun steht die Zukunft des Weltraumtourismus infrage. Als "herben Rückschlag für die bemannte private Raumfahrt" bezeichnete der Raumfahrtexperte Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) den Absturz von "SpaceShipTwo". Die Folgen des Unglücks für die bemannte Raumfahrt seien noch schwer abzuschätzen, "aber diese Woche wird im Weltraumsektor bereits jetzt als 'Bauchschuss' in dieser noch jungen Branche bezeichnet", so Grömer.

"Wir werden im nächsten Jahr und wahrscheinlich in den Jahren danach keine kommerziellen Flüge für Touristen ins All sehen", sagte Raumfahrtexperte Marco Caceres von der Beratungsfirma Teal Group. Virgin Galactic sei bisher "bei weitem" führend im Bereich des Weltraumtourismus gewesen, nun werde sich der Start der ersten Touristen wohl um Jahre verzögern. Angesichts der Kritik ermunterte Airbus-Chef Tom Enders Branson dazu, weiterzumachen: "Wenn Staaten ihr Engagement in der bemannten Raumfahrt zurückfahren, setzen private Pioniere das Abenteuer der Raumfahrt fort. Ich ziehe meinen Hut vor Richard Branson und anderen, die hier viel riskieren", sagte er laut einer Mitteilung. (APA, 2.11.2014)

  • Virgin Galactic-Eigentümer Richard Branson will nicht aufgeben.
    foto: scott fain / ap

    Virgin Galactic-Eigentümer Richard Branson will nicht aufgeben.

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