Britin im Iran trotz unbekannter Anklage zu einem Jahr Haft verurteilt

2. November 2014, 17:45
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Anwalt: Durfte Klientin vor Prozess nicht treffen

Teheran/London - Eine junge Iranerin mit britischem Pass ist von einem Gericht in Teheran zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Sie hatte versucht, mit Freundinnen ein Volleyballspiel zu sehen. Frauen ist im Iran die Teilnahme an Sportveranstaltungen mit Männern verboten. Das Außenministerium in London äußerte sich am Sonntag "besorgt" über den Fall.

Der Anwalt von Ghontsheh Ghawami sagte am Sonntag laut der iranischen Nachrichtenagentur Ilna, selbst nach dem Urteil sei ihm die Anklage im Detail nicht bekannt. Mahmud Alisadeh beklagte zudem, dass er trotz schriftlicher Zusage seine Klientin vor dem Prozess nicht habe treffen dürfen.

"Erschreckendes Urteil"

"Wir sind besorgt über die Grundlagen für diese Anklage, die Verhandlungsführung und die Behandlung von Miss Ghawami in der Haft", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in London. Amnesty International sprach von einem "erschreckenden Urteil" und forderte die sofortige Freilassung der Frau, die einen Wohnsitz in London hat.

Die 25-Jährige war erstmals im Juni festgenommen worden, als sie mit ihren Freundinnen ein Spiel der Volleyballnationalmannschaft sehen wollte. Da weibliche Zuschauer im Iran zu Sportveranstaltungen mit Männern nicht zugelassen sind, wurden die Frauen festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Als Ghawami wenige Tage später bei der Polizei ihre Papiere abholen wollte, wurde sie erneut inhaftiert.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die Verhaftung nichts mit dem Volleyballspiel zu tun. Aber eine andere Anklage, auch gegenüber dem Anwalt, wurde nicht bekanntgegeben.

Iran erkennt die doppelte Staatsbürgerschaft nicht an. Wenn der Vater Iraner ist, werden Angeklagte als Iraner betrachtet und dementsprechend auch juristisch behandelt. (APA, 2.11.2014)

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