USA fürchten Gasprom-Vormarsch in Osteuropa

2. November 2014, 10:48
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Sorge Washingtons, dass der ungarische Energiekonzern MOL seinen Anteil an kroatischem Branchenführer INA an russisches Unternehmen verkaufen könnte

Washington/Budapest - Aus Sorge über eine zunehmende Annäherung Ungarns an Russland versuchen die USA westlichen Diplomaten zufolge einen strategisch wichtigen Verkauf im osteuropäischen Energiesektor zu verhindern. Die Regierung in Washington fürchtet demnach, dass der ungarische Energiekonzern MOL seinen Anteil an dem kroatischen Branchenführer INA an ein russisches Unternehmen verkaufen könnte.

Widerstand in Washington löse vor allem eine mögliche Übernahme der Firma im EU-Land Kroatien durch Gasprom aus, weil der staatliche Gas-Monopolist damit innerhalb der Gemeinschaft Fuß fassen würde. Die Europäische Union (EU) ist bereits der größte Erdgas-Kunde des Gasprom-Konzerns, der westlichen Diplomaten zufolge der Moskauer Regierung besonders nahesteht und deshalb im Ukraine-Konflikt eine wichtige Rolle spielt. Der ungarische Konzern MOL ist zu knapp 25 Prozent in Staatsbesitz und hält selbst 49 Prozent an dem kroatischen Unternehmen INA, auf das Gasprom nach US-Angaben ein Auge geworfen hat.

Diplomatische Offensive

US-Regierungskreisen zufolge haben die USA nun eine diplomatische Offensive auf mehreren Ebenen gestartet, um das Geschäft zu verhindern. So habe Amos Hochstein vom US-Außenministerium unlängst mit dem ungarischen Außenminister Péter Szijjártó in Washington über das Thema gesprochen. Hochstein habe auch US-Senator Chris Murphy nach Kroatien geschickt, um dort von einem Verkauf abzuraten. Zudem hat die US-Regierung Visa-Blockaden in Ungarn verhängt, was in der Beziehung zu einem EU- und NATO-Land wie Ungarn selten ist. So dürfen sechs Personen mit engen Verbindungen zur Budapester Regierung nicht in die USA einreisen, weil ihnen Korruption vorgeworfen wird.

Die ungarische Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán ist in jüngster Zeit immer wieder mit der EU aneinandergeraten und hat sich verstärkt Russland zugewandt. So hält Ungarn, ebenso wie Österreich, im Energiebereich an der Pipeline South Stream für russisches Erdgas fest, obwohl sich sowohl die USA als auch die EU gegen den Bau der Leitung stemmen. Zudem hat Ungarn die Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt, die im Gasstreit zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau Lieferausfälle aus Russland ausgleichen sollten. Der Streit ist inzwischen beigelegt. (APA/Reuters, 2.11.2014)

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