Niedersächsische Polizei will wieder Windows statt Linux

1. November 2014, 17:13
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Vor über elf Jahren knapp 12.000 Rechner mit offenem Betriebssystem ausgestattet - Mitarbeiter-Beschwerden und erhöhter Aufwand als Grund

Nachdem in München offen angedacht wurde, die 15.000 Rechner der Stadtverwaltung wieder mit Windows statt Linux auszustatten, gibt es nun die nächste deutsche Behörde, die dem freien Betriebssystem den Rücken zukehren möchte. Künftig will nämlich auch die niedersächsische Polizei wieder mit Windows auf Verbrecherjagd gehen. Dies geht aus einem Schreiben von Landespolizeipräsident Uwe Binias hervor, welches im Juli verfasst und nun von Netzpolitik.org veröffentlicht wurde.

Bereits Aufwandsschätzung in Auftrag gegeben

Die Entscheidung geht auf eine landesweite Projektgruppe zurück, die eine Strategie für den "zukunftsfähigen Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie in der Landespolizei erarbeiten sollte". Diese sprach dann schlussendlich eine Empfehlung für die Rückmigration von freier Software zu Windows und darauf basierenden Programmen aus. Der IT-Dienstleister der Sicherheitsbehörde soll ferner bereits mit einer "Aufwandsschätzung für ein Migrationskonzept beauftragt worden" sein.

Knapp 12.000 IT-Arbeitsplätze mit Linux ausgestattet

Vor mehr als elf Jahren hatte die niedersächsische Polizei laut Heise.de bereits begonnen, knapp 12.000 IT-Arbeitsplätze auf Linux umzustellen. Damals sprach sich die Behörde für das offene Betriebssystem aufgrund der "geringeren Kosten und erhöhten Sicherheit" aus.

Mitarbeiter wollen lieber Microsoft Office verwenden

Das zu der Zeit eigens entwickelte Analyse-, Dokumentations- und Informationssystem Nivadis soll nun hauptsächlich für Reibereien sorgen. Dieses wird nämlich hauptsächlich unter Windows entwickelt und nur auf Linux produktiv genutzt, wodurch laut eines Sprechers des niedersächsischen Innenministeriums ein erhöhter Test- und Administrationsaufwand anfallen würde. Viele Polizei-Mitarbeiter "wären ferner nicht bereit Microsoft Office aufzugeben".

Probleme bei Überwachungsvideos-Auswertung

Mitarbeiter-Beanstandungen soll es zudem darüber gegeben haben, dass auf den Linux-Rechnern aus Sicherheitsgründen etliche Funktionen deaktiviert seien, weshalb Überwachungsvideos nicht ohne Probleme ausgewertet werden können. (dk, derStandard.at, 01.11.2014)

  • Statt Linux will die niedersächsische Polizei künftig wieder auf Windows setzen.
    foto: polizei niedersachsen

    Statt Linux will die niedersächsische Polizei künftig wieder auf Windows setzen.

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