Peschmerga-Einheiten erreichen belagerte Stadt Kobane

31. Oktober 2014, 23:03
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Verstärkung aus Irak überquerte türkisch-syrische Grenze

Suruc - Zur Verteidigung der belagerten Stadt Kobane haben nordirakische Kurden-Kämpfer nach eigenen Angaben die türkisch-syrische Grenze überquert. Das teilte einer der Peschmerga Reuters per Telefon mit. Die Kämpfer hatten sich zuvor nahe der türkischen Grenzstadt Suruc auf ihren Einsatz gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vorbereitet. Am Freitagabend setzte sich der Konvoi aus mehr als einem Dutzend Lkw und Geländewagen dann in Richtung Syrien in Bewegung. Die rund 150 schwer bewaffneten Kämpfer wurden von Panzerwagen begleitet. Die USA und ihre Verbündeten bombardierten unterdessen IS-Stellungen, offenbar um der Verstärkung den Weg in den Norden Syriens zu bahnen.

Die seit mehr als 40 Tagen belagerte Kurdenstadt Kobane steht im Zentrum des Kampfes der US-geführten Koalition gegen den IS, der in weiten Teilen Syriens und des Irak ein Kalifat ausgerufen hat. Bereits am Donnerstag hatte sich eine Vorhut von zehn Peschmerga nach Kobane durchgeschlagen, um ihre Strategie mit den Kurden abzusprechen, die bisher die Stadt in Sichtweite der türkischen Grenze verteidigt haben. Es ist aber unklar, ob die Kurden mit der Verstärkung durch die eher kleine Peschmerga-Gruppe gegenüber dem IS die Oberhand gewinnen können.

IS-Stellungen getroffen

Das US-Militär erklärte am Freitag, in den vergangenen zwei Tagen seien vier IS-Stellungen getroffen worden. Dabei starben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge allein am Freitag 21 IS-Kämpfer, darunter ein Däne.

Syrien kritisierte die Türkei unterdessen dafür, dass sie die Peschmerga über ihr Territorium reisen lässt. Die Türkei lehnt die Entsendung eigener Truppen nach Kobane direkt hinter der Grenze ab. Das Land befürchtet, dass die Kurden in Syrien das Chaos ausnutzen könnten, um sich wie die Kurden im Nordirak eine eigene autonome Region zu schaffen. Dies würde auch die in der Türkei verbotene Kurden-Partei PKK stärken.

Die Bundesregierung zeigte sich unterdessen bereit, auch Teile der irakischen Armee für den Kampf gegen den IS auszubilden. "Wir würden auch durchaus überlegen - wenn wir gefragt würden - auch sunnitische Soldaten auszubilden, also nicht nur Kurden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagabend auf einer Veranstaltung in Templin. "Wir tun jetzt alles, um die staatliche Struktur des Iraks zu stärken." Merkel verteidigte erneut die Waffenlieferung an die nordirakischen Kurden. Deutschland sei ausdrücklich um Hilfe gebeten worden. Die irakische Regierung habe zugestimmt.

Eine Hilfe für die Kurden im syrischen Kobane sei dagegen nicht möglich, weil Deutschland nur Waffen mit Zustimmung des betreffenden Landes liefern dürfe. Sicherlich gebe es das Risiko, dass deutsche Waffen auch in falsche Hände geraten könnten. Aber in der Abwägung aller Gefahren habe sich die Regierung für die Lieferung an die nordirakischen Kurden entschieden. (Reuters, 31.10.2014)

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