Experte: Cannabinoide wichtig in der Schmerz- und Palliativmedizin

31. Oktober 2014, 16:12
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"Der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden hätte nichts mit dem Konsum von Cannabis zu tun", sagt der Klagenfurter Primar Rudolf Likar

Die aktuelle, durchaus emotional geführte Diskussion über eine Legalisierung von Cannabis sollte keine ungünstigen Auswirkungen auf den Einsatz von Cannabinoid-Medikamenten in der Schmerz- und Palliativmedizin haben, sagt Rudolf Likar, Primar der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, anlässlich der Österreichischen Schmerzwochen. "Der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden hätte nichts mit dem Konsum von Cannabis zu tun", sagt Likar, auch Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

Wirksame Medikamente

"Dafür, dass Patienten von den gut belegten günstigen medizinischen Eigenschaften von Cannabinoiden profitieren können, brauchen wir keine Legalisierung von Haschisch oder Marihuana. Es stehen uns bereits jetzt wirksame, standardisierte Medikamente zur Verfügung", so Lika.

Die klinische Wirksamkeit von Cannabinoiden konnte in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Indikationen bestätigt werden. "Cannabinoide lindern Schmerz, Spastik und Angst, stimulieren den Appetit, unterdrücken Übelkeit und Erbrechen, verbessern die Lebensqualität und können in multimodale Behandlungskonzepte gut integriert werden", sagt Likar.

Drei Präparate

In Österreich stehen derzeit zur therapeutischen Anwendung drei Cannabinoid-Präparate zur Verfügung: Dronabinol als magistrale Zubereitungen von pflanzlichem oder synthetisch hergestelltem delta-9-THC; das synthetische Cannabinoid Nabilone; sowie Sativex, das standardisierte Extrakte der Cannabis-Pflanze mit definiertem Gehalt an THC und CBD enthält.

Angesichts des gut belegten Nutzens sollten diese Substanzen möglichst vielen Patienten, die davon profitieren könnten, zugänglich gemacht werden, so Likar. "Dazu müssen nicht nur gelegentlich noch vorhandene Vorurteile gegenüber Cannabinoid-Medikamenten abgebaut werden, sondern auch bürokratische Hürden", sagt er. "Wünschenswert wäre eine Vereinfachung der Erstattung durch die Krankenkassen und dass zur Verschreibung kein Suchtgiftrezept mehr erforderlich ist." (red, derStandard.at, 31.10.2014)

  • Eine Flasche von mit Cannabinoiden versetztem Öl, mit dem eine Amerikanerin ihre vierjährige epilepsiekranke Tochter behandelt.

    Eine Flasche von mit Cannabinoiden versetztem Öl, mit dem eine Amerikanerin ihre vierjährige epilepsiekranke Tochter behandelt.

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