Lebt wohl, PlayStation 3 und Xbox 360!

1. November 2014, 12:00
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Immer mehr Spielhersteller lassen die alten Konsolen zurück, um sich auf PS4 und Xbox One zu konzentrieren - gut so

Im November feiern Sonys und Microsofts neue Spielkonsolen PlayStation 4 und Xbox One ihren ersten Geburtstag. Mit einigen großen Zugpferden und zahlreichen kreativen Download-Titeln war es rückblickend kein schlechtes Debütjahr, wenngleich das Echo der vergangenen Generation noch bis tief in den Dezember nachhallen wird. Die meisten echten Hits für die frischen Plattformen sind heuer nämlich entweder Portierungen bestehender Bestseller wie "The Last of Us", "Tomb Raider", "Grand Theft Auto 5" oder die remasterte "Halo"-Serie oder Titel, die auch noch genauso für die bald zehn Jahre alten Vorgänger PS3 und Xbox 360 zu haben sind - siehe "Watch Dogs" oder "Destiny". Die exklusiven "New-Gen"-Spiele wie "InFamous: Second Son", "Sunset Overdrive" und "Assassin's Creed Unity" blieben heuer noch Mangelware.

Willkommener Umschwung

Den Herstellern ist diese Zweigleisigkeit nicht zu verübeln, eine Installationsbasis von rund 160 Millionen Konsolen (PS3 und X360 zusammen) über Nacht zurückzulassen, würde einem wirtschaftlichen Schuss ins eigene Knie gleichen. Dank eines überaus erfolgreichen Starts der Nachfolger heißt es mit der Jahreswende aber nun für viele Hersteller Abschied nehmen von den altgedienten Systemen. Nebst vieler angekündigter Exklusivwerke von Sony und Microsoft werden auch zahlreiche Hochglanzproduktionen der Dritthersteller 2015 nur noch für PS4, Xbox One und PC erscheinen: "Bloodborne", "Halo 5: Guardiens", "The Witcher 3", "Evolved", "Uncharted 4" und "Batman: Arkham Knight" etwa, um nur ein paar zu nennen. Das mag vielen Nichtumsteigern ein Seufzen entlocken, aus Sicht der Spielentwicklung ist dies aber ein überaus willkommener Umschwung.

Der Grund dafür ist, dass sich Hersteller damit voll auf die Fähigkeiten der neuen Hardware und Entwicklungsumgebungen konzentrieren können und ihre Spiele nicht mehr so gestalten müssen, dass sie auch noch auf die ergrauten Systeme herunterskalieren können. Das betrifft zu einem großen Teil äußerliche Features wie Grafikeffekte, aber auch Elemente wie Physik und künstliche Intelligenz, die sich stärker auf das eigentliche Gameplay auswirken als eine detailliertere Kulisse und flüssigere Animationen.

Es fehlt an Leistung

"Wir wussten von Beginn an, dass wir dies nicht für die letzte Konsolengeneration umsetzen werden können, da wir nicht bereit waren, Kompromisse einzugehen", sagt Alexandre Amancio, Kreativdirektor von "Assassin's Creed Unity", das erstmals in der Serie mehr als 5.000 Charaktere auf einmal simuliert und das virtuelle Paris maßstabsgetreu wiedergibt, um den fließdenden Übergang von der Außenwelt in Innenräume zu ermöglichen. Dafür fehle es PS3 und X360 schlicht an Rechen- und Speicherkapazitäten. Hätte man darauf Rücksicht genommen, wäre es einfach nicht das gleiche Spiel, so der Entwickler in einem Gespräch mit dem GameStandard Anfang Oktober.

Die Simulation einer offenen, detailliert modellierten Welt war auch für das Team hinter Warner Bros' Serienfinale "Batman: Arkham Knight" ausschlaggebend, die letzte Konsolengeneration auszulassen, genauso wie für CD Projekt und dessen Rollenspiel-Epos "The Witcher 3: Wild Hunt".

Vergangenheit zurücklassen

Und auch Techland wird sein Zombie-Survival-Spiel Ende Jänner exklusiv für PC, PS4 und XBO herausbringen, die ursprünglich geplanten Versionen für PS3 und X360 wurden kurzfristig eingestellt. Die Entwickler begründen ihre Entscheidung damit, dass die Umsetzung auf den bald ein Jahrzehnt alten Konsolen zu viele Abstriche bedingt hätte. "Auf den alten Konsolen würde 'Dying Light' schlicht und ergreifend nicht laufen", hieß es diese Woche in einem offenen Brief an die Community. "Aus diesem Grund sind wir nach langwierigen internen Tests zu dem Entschluss gekommen, dass wir keine andere Wahl haben als die Past-Gen-Systeme hinter uns zu lassen und 'Dying Light' exklusiv für die Next-Gen-Konsolen und den PC zu veröffentlichen. Ein großer Teil dieses 'Next-Gen-Gefühls' hängt direkt mit der technischen Seite von 'Dying Light' zusammen. So kann das Spiel beispielsweise bis zu 200.000 Objekte gleichzeitig darstellen. Fügt man nun noch unsere realistische, physikbasierte Beleuchtungstechnologie hinzu, bringt man die Next-Gen-Systeme damit schon fast an ihre Grenzen", so die Entwickler. "Features wie diese machen neben den grundlegenden Gameplay-Säulen – wie die natürlichen Bewegungsabläufe, das Charakterentwicklungssystem und die gewaltige offene Spielwelt – die Art aus, wie sich 'Dying Light' spielt. All diese Elemente zu einer flüssigen Erfahrung zu vereinen, ist allerdings nur auf technisch fortschrittlichen Plattformen möglich."

Nach vorne schauen

Vor allem frisch gebackene Besitzer einer PS3 oder X360 müssen so in den sauren Apfel beißen, hätten sie die Blockbuster von Morgen zocken wollen. Aber kein Grund zur Eile: Beide Systeme bieten einen reichhaltigen Katalog an großartigen Games der vergangenen Jahre, die die Zeit mehr als überbrücken können, bis auch PS4 und XBO zu einsteigerfreundlicheren Preisen zu haben sein werden.

Wie bei jedem Hardware-Generationswechsel ist es nun einmal auch bei Konsolen so: Ohne radikalem Schnitt kann der Sprung nach vorne nicht gelingen. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 1.11.2014)

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Der Blog "Berufsspieler" erscheint samstags und gibt Meinungen zu aktuellen Videospielthemen wieder.

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