Spyware: Wie Polizeibehörden weltweit Rechner überwachen

31. Oktober 2014, 11:13
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Der Sicherheitsexperte Morgan Marquis-Boire veröffentlicht Bedienungsanleitung von geheimer Software

In den USA tobt momentan ein "Crypto-Krieg". So nennen zumindest die Bürgerrechtler von der Electronic Frontier Foundation (EFF) jene Debatte über die Legitimation von Verschlüsselungsmaßnahmen, über die IT-Konzerne und Strafbehörden wie das FBI derzeit streiten. So will die US-Bundespolizei ein "Verschlüsselungsverbot" durchsetzen, um Apple und Googles Pläne für mehr Datensicherheit ihrer Nutzer zu durchkreuzen.

Zahlreiche Tools gegen Verschlüsselung

Die alarmistische Argumentation des FBI sei aber nur Show, so der Sicherheitsexperte Morgan Marquis-Boire auf The Intercept. Denn tatsächlich verfügt die Behörde bereits jetzt über zahlreiche Tools, mit denen sich verschlüsselte Nachrichten knacken lassen. Ein wichtiger Hersteller solcher "privater, kommerzieller Spyware" ist der italienische Konzern "Hacking Team". Nun sind erstmals Bedienungsanleitungen für dessen "Remote Control System" aufgetaucht.

Zahlreiche Fertigkeiten

Sie offenbaren, welche vielfältigen Überwachungsoptionen Polizisten durch den Einsatz der Software erhalten. So können Webcams aktiviert, Emails extrahiert und Skype-Anrufe aufgenommen werden. Einen Rechner mit dem Tool zu infizieren, sei äußerst einfach, analysiert Marquis-Boire weiter: Dazu genüge es, ins WLAN einzudringen oder per USB-Stick physischen Kontakt herzustellen. Raffinierte staatliche Hacker können die Malware sogar in YouTube-Videos verstecken.

Helfer für Repression?

Das Programm kommt weltweit zum Einsatz – und zwar nicht nur in parlamentarischen Demokratien. So argumentiert Marquis-Boire, dass autoritäre Regime ihre Repression ohne entsprechende "Spyware" aus Europa oder den USA nie durchführen könnten. Aber auch dort, wo richterliche Beschlüsse über den Einsatz der Tools entscheiden, sei Vorsicht angebracht: Denn oftmals wissen Richter gar nicht, welch extensive Überwachung durch das "Remote Control System" möglich wird.

In Österreich bestreitet das Innenministerium, auf derartige Mittel zu setzen. Die Online-Durchsuchung ist nach derzeitigem Stand verfassungsrechtlich unzulässig und kam lediglich 2008 probeweise zum Einsatz. (fsc, derStandard.at, 31.10.2014)

  • Die Spyware lässt Ermittler vielfältig im Privatleben des Opfers herumschnüffeln
    foto: apa/epagensch

    Die Spyware lässt Ermittler vielfältig im Privatleben des Opfers herumschnüffeln

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