Europas Leitbörsen gehen mit Kurssprüngen aus dem Handel

31. Oktober 2014, 21:38
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Japanische Geldpolitik bringt Kursfeuerwerk - Inflation in Europa steigt auf 0,4 Prozent - Xetra-Handelssystem fällt zwischenzeitlich aus

Frankfurt am Main - Die europäischen Leitbörsen sind am Freitag nach einem regelrechten Kursfeuerwerk mit klaren Gewinnen ins Wochenende gegangen. Der Euro-Stoxx-50 erhöhte sich um 77,42 Einheiten oder 2,55 Prozent auf 3.113,32 Zähler.

Die europäischen Leitbörsen wurden am Freitag gleich zu Beginn von geöffneten Geldschleusen der Bank of Japan beflügelt. Die japanische Zentralbank verkündete die Geldbasis um jährlich 80 Billionen Yen und damit 10 bis 20 Billionen Yen mehr als bisher durch Staatsanleihenkäufe erweitern zu wollen. Der Schritt kam für Analysten überraschend. Daraufhin zogen die europäischen Leitbörsen kontinuierlich an. Einzig der deutsche Aktienmarkt legte von 10.08 bis etwa 11.25 Uhr eine kleine Ruhepause ein. Das Xetra-Handelssystem fiel aufgrund eines technischen Defekts für diesen Zeitraum aus.

Am Vormittag wurden zudem Daten zur europäischen Inflation veröffentlicht. Die Teuerungsrate in der Eurozone kletterte etwas von 0,3 auf 0,4 Prozent. Damit bleibt der Wert weiterhin deutlich unter den angepeilten 2,0 Prozent der Europäischen Zentralbank (EZB). Demzufolge, erklärten Analysten, wurde vor dem Hintergrund der japanischen Lockerung auch Fantasien auf eine europäische Lockerung gefördert. Im Verlauf beschleunigten auch noch überraschend gute US-Konjunkturdaten den Handel.

Unter den Einzelwerten gaben gleich zwei Titel im Euro-Stoxx-50 Ergebniszahlen bekannt. Zum einen präsentierte die weltgrößte Brauereigesellschaft Anheuser-Busch Inbev einen um zwei Prozent auf 12,2 Mrd. Dollar gestiegenen Umsatz. Dieser beruhte vor allem auf gestiegenen Preisen, denn der eigene Bierabsatz ging im dritten Quartal um 2,7 Prozent zurück. Unter dem Strich stand damit ein Überschuss von 2,3 Mrd. Dollar und damit um 5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Die Titel der Brauerei kletterten nach langer Zeit im Minus auf ein Plus von 0,90 Prozent.

Klar besser tendierten dagegen die Aktien von BNP Paribas. Die französische Großbank legte im dritten Quartal einen um 11 Prozent höheren Überschuss von 1,5 Mrd. Euro vor. Besonders das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen konnte Zuwächse lukrieren. Anleger zeigten sich erleichtert, dass die Bank die US-Milliardenstrafe offenbar gut überstanden hat. Die BNP-Papiere zogen um 3,46 Prozent an.

Spaniens größte Bank Santander stockt die Beteiligung an ihrer brasilianischen Tochter auf gut 88 Prozent auf und finanziert die Transaktion mit der Ausgabe neuer Aktien. In Summe sollen knapp 371 Mio. Anteilsscheine auf den Markt gebracht werden und damit etwa 2,6 Mrd. Euro in die Kasse spülen. Bisher kontrollierte die Großbank drei Viertel der Santander Brasil. Die Santander-Aktie ging mit einem Plus von 2,76 Prozent ins Wochenende.

Der internationale Telekom-Markt bleibt unterdessen in Bewegung. Ein Konsortium um Telefonica und America Movil will einem Zeitungsbericht zufolge das Brasilien-Geschäft von Telecom Italia namens TIM Brasil kaufen und zerschlagen. Dafür ist man offenbar bereit tief in die Tasche zu greifen, das Angebot soll umgerechnet 10,5 Mrd. Euro hoch sein. Die Parteien seien dem Bericht zufolge allerdings noch weit von einem Abkommen entfernt. Die Titel von Telecom Italia stiegen um 4,09 Prozent, während sich Telefonica um 2,61 Prozent befestigten. (APA, 31.10.2014)

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