Römer-Abgang: Erhöhte Unfallgefahr in der AUVA

31. Oktober 2014, 05:30
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Renate Römer verlässt die Unfallversicherungsanstalt nach Vorwürfen der Freunderlwirtschaft. Pläne, Spitäler zu schließen, dürften den Abgang beschleunigt haben

Wien - Renate Römer wird sich künftig den Berufsmeisterschaften widmen. Die Obfrau der Unfallversicherungsanstalt und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer legt diese Funktionen zurück und kümmert sich künftig als Sonderbeauftragte um das Abschneiden junger Fliesenleger, Elektriker oder Köche bei internationalen Wettbewerben. Da hatten Österreichs Vertreter zuletzt bei der Europameisterschaft in Lille groß aufgegeigt und 19 Medaillen (davon neun in Gold) nach Hause gebracht.

Christoph Leitl, Wirtschaftskammerpräsident, will von einem Zusammenhang des Rücktritts von Römer und einem mit heftigen Vorwürfen gespickten Prüfbericht des Gesundheitsministeriums nichts wissen. Ob Aufträge an den Lebensgefährten, Vergaben ohne Ausschreibung, Privatfahrten im Dienstwagen (samt Chauffeur) oder Spenden an einen ÖVP-nahen Verein: "Rechtlich war alles korrekt", sagt Leitl. Zumindest nach außen. Intern ist anderes zu hören. Der Kammerchef habe Römer die Rute ins Fenster gestellt, nachdem die Unternehmerin keine Konsequenzen aus den Ungereimtheiten ziehen wollte.

Staub aufgewirbelt

Leitl wollte vor den anstehenden Wahlen in der Wirtschaftskammer offenbar keine Angriffsfläche bieten und griff durch. Immerhin ist es die Kammer, die den AUVA-Chefsessel besetzt. Darunter werden die Posten streng nach Sozialpartner-Proporz zwischen Arbeitgebern und -nehmern aufgeteilt. Da sickert normalerweise nichts nach außen, es sei denn, jemand wirbelt viel Staub auf. Das dürfte Römer getan haben, und zwar nicht nur mit zweifelhaften Aufträgen.

Den Unmut der Arbeitnehmervertreter soll sie sich mit ihrem Vorpreschen für die Zusammenlegung der Unfallspitäler und Rehabilitationszentren im Großraum Wien zugezogen haben. Unfallkrankenhaus Meidling, die beiden Rehabilitationszentren in Meidling und Klosterneuburg sowie das Lorenz-Böhler-Spital in der Brigittenau würden zugunsten eines neuen Großstandorts aufgelöst, so der Plan.

Entlastung

Medizinisch und wirtschaftlich wäre das sinnvoll, hat die Beratungsgruppe Consulting AG im Auftrag Römers herausgefunden. Nun tüftelt das Team an der Detailplanung. Man kann davon ausgehen, dass die Berater ihre erste Empfehlung nicht widerrufen. Das bringt die Arbeitnehmer auf die Palme. Sie sehen einen direkten Zusammenhang mit der heuer erfolgten Senkung des von den Unternehmen getragenen Beitrags zur Unfallversicherung, die eine Entlastung um 100 Millionen Euro brachte. Das fehlende Geld soll nun über Spitalsschließungen verbunden mit Bettenreduktionen hereingespielt werden, heißt es aus der Gewerkschaft. Mittelfristig seien dann, auch wegen rückläufiger Arbeitsunfälle, weitere Beitragssenkungen möglich.

Das naheliegende Gerücht, das von Arbeitgeberseite gestreut wird: Mit der Einschau bei der AUVA habe das (rote) Gesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde einen Weg gefunden, um Römer samt Pläne zur Zusammenlegung der vier Standorte abzuservieren. Mit dem Abgang der Obfrau wäre zumindest der erste Teil der Geschichte Realität geworden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 31.10.2014)

  • Geht es nach AUVA-Plänen, wird das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus mit drei anderen Einrichtungen der Anstalt zusammengelegt. Der Widerstand gegen den Schritt hat sich längst formiert.
    foto: heribert corn

    Geht es nach AUVA-Plänen, wird das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus mit drei anderen Einrichtungen der Anstalt zusammengelegt. Der Widerstand gegen den Schritt hat sich längst formiert.

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