Ein Hochamt für Wundenlecker

30. Oktober 2014, 18:21
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Club Waidwund am Montag im Rhiz

So ein Unglück ist zwar oft nur von kurzer Dauer, doch das Wundenlecken danach, das kann dauern. Ja, es kann sich zum pathologischen Selbstmitleid auswachsen, zur galoppierenden Wehleidigkeit. Als akustische Selbsthilfegruppe für euphorische Wundenlecker hat sich der Club Waidwund im Rhiz etabliert.

Dieser feiert am kommenden Montag, nach den Freuden von Allerheiligen und Allerseelen, sein zehnjähriges Bestehen, was nur ein weiteres Indiz für die Hartnäckigkeit eines anständigen Masochismus ist. Initiiert wurde dieses monatlich abgehaltene Hochamt für Trantüten von Johannes Luxner.

Der ist üblicherweise Autor der wöchentlich die Clubkultur selektierenden "Nightshift". Für diesen wunden Geburtstag werden nicht nur wie üblich DJs vertonte Seelenpein an geneigte Ohren bringen, sondern auch Livedarbietungen. Zu den weinerlichen Allstars, die einschlägiges Liedgut darbieten werden, zählen Ernst Molden, Marilies Jagsch, Bernhard Eder, Ed Schnabl und Willhelm (dahinter stecken Franz Reisecker und Petra Staduan).

Sie alle werden standesgemäße Novemberstimmung verbreiten, Depressionsklassiker spielen und Gewichter an Mundwinkeln applizieren. Ein Kirchgang. Auch an den Plattentellern begrüßt der Gastgeber ein Kind großer Traurigkeit, Peter Hein. Der weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein Grauschleier fehlfarbig über der Stadt liegt. (flu, DER STANDARD, 31.10./1./2.11.2014)

Club Waidwund 3. 11. Rhiz, 21.00

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