Windstärke mit Fingerkuppen messen

30. Oktober 2014, 18:16
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Uraufführung des Monologs "mutter.Trakl" und Lesung von Humberto Ak’abal

Zwei Veranstaltungen des Salzburger Literaturhauses entführen in unterschiedliche Dichterwelten. Am Sonntag steht im Schauspielhaus der vor 100 Jahren verstorbene Georg Trakl im Zentrum – in Form der Uraufführung des Monologs mutter.Trakl, den der Salzburger Walter Müller verfasst hat. Er handelt von der zwiespältigen Mutter des Dichters, Maria Catherina Trakl (1852–1925), die als „Opiumesserin“ bezeichnet wurde.

Am Montag geht es dann nach Mittelamerika. Indigenas machen 60 Prozent der Bevölkerung Guatemalas aus. Mit dem Kolonialismus im 16. Jahrhundert begann die blutige Geschichte der Verfolgung. Eine aktuelle Variante dieser Diskriminierungen ist die Nichtanerkennung ihrer Kultur und Sprache. Das zeigt das Beispiel von Humberto Ak’abal: Der berühmteste Dichter der guatemaltekischen Indios, ein Maya-K’iche’, wurde 1952 geboren. Er arbeitete als Schafhirt, Teppichweber und Tagelöhner, in den Nächten schrieb er Lyrik. Sein Opa, ein Maya-K’iche’-Priester, lehrte ihn, die Windstärke mit den Fingerkuppen zu messen und Vogelgezwitscher zu deuten. Das sind auch die Themen der Gedichte.

Der ebenfalls anwesende Übersetzer, sein Kollege und Freund Erich Hackl, wünscht sich, dass der Gedichtband Geistertanz (Verlag Waldgut, 2014) sowohl als Erzählung in Versen als auch als durchgehender Bericht aus einer scheinbar fremden, entlegenen Weltgegend gelesen wird. (dog, DER STANDARD, 31.10./1./2.11.2014)

2. 11.: Salzburg, Schauspielhaus, 0662/80 85-80, 19.30

3. 11.: Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, 19.30

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