Echo-Klassikpreis in den "Seitenblicken": Jugendliche "Ruine"

30. Oktober 2014, 17:53
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Nikolaus Harnoncourt sei "doch ein junger Hupfer", versucht es der Reporter

In dieser ausgelassenen Gemütsverfassung könnte der Maestro, der diesen Begriff nicht schätzt, bei jeder Oscarverleihung "bella figura" machen: Nikolaus Harnoncourt stellt sich den Fotografen, droht, sie mit der Trophäe zu bewerfen, die er gerade empfangen hat. Er wurde beim Echo-Klassikpreis fürs Lebenswerk ausgezeichnet, was auch eine Befragung durch die Seitenblicke nach sich zog.

Er sei "doch ein junger Hupfer" - mit seinen 84 Jahren -, versucht es der Reporter, worauf sich Harnoncourts Antlitz scherzhaft verdüstert und er mit der Hand in Halshöhe streng eine Linie zieht: "Aber nur ab hier nach oben bin ich ein junger Hupfer. Von hier nach unten bin ich eine Ruine ..." Damit endete der Beitrag mit betretenem Reporterschweigen und zumindest einer heiteren Szene, während die Suche nach prickelnden Sätzen ansonsten trostlos blieb. Frau Netrebko - zu Recht Sängerin des Jahres - war nur "sehr glücklich, heute dabei zu sein." Eine große Ehre sei alles für die (fragil wirkende) Sopranistin, die dann nur noch "Danke!" sagte, während Tenor Piotr Bezcala - Sänger des Jahres - "auch gerne" in München war.

Ihm war eher zu glauben als Netrebko. Sie beneidete vielleicht Tenor Jonas Kaufmann (solistische Einspielung des Jahres). Dieser fehlte nämlich in München. Ach, ja: Auch Geigerin Anne-Sophie Mutter (Konzerteinspielung des Jahres) war da, mit ihrem Sohn. Sie forderte, wie immer, etwas für den Musiknachwuchs in Schulen zu tun.

Der Versuch, die Klassikwelt in drei Minuten zu erhellen, war gescheitert. Ein paar Sekunden mehr mit Harnoncourt hätten hingegen viel gerettet. Vielleicht aber dann an seinem 85. - also am 6. Dezember. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 31.10.2014)

Link zur ORF TVThek

"Seitenblicke" zum Nachsehen

  • Nikolaus Harnoncourt.
    foto: screenshot/orf tvthek

    Nikolaus Harnoncourt.

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