Lohnabschluss im Handel: 2,1 Prozent mehr

30. Oktober 2014, 17:52
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Doppelabschluss für 2014/2015 soll Ausnahme bleiben

Wien - Österreichs 500.000 Handelsbeschäftigte erhalten 2015 um im Schnitt 2,1 Prozent höhere Gehälter und Löhne. Das bestätigt die Gewerkschaft der Privatangestellten auf Anfrage des STANDARD. Die Sozialpartner werden die neuerrechneten Zahlen am Donnerstag bekanntgeben. Der Zuwachs ergibt sich aus der durchschnittlichen Inflation und einem 0,4-prozentigen Aufschlag. Der Schlüssel dafür wurde vor einem Jahr im Zuge eines Doppelabschlusses fixiert. Der Mindestlohn wird wie angekündigt bei 1.500 Euro liegen.

Karl Proyer, Vizechef der GPA-djp, zeigt sich ob der 2,1 Prozent erfreut. Der Doppelabschluss für die Kollektivverträge für zwei Jahre wird aus Sicht der Arbeitnehmer jedoch die "große Ausnahme" bleiben. "Wir denken nicht daran, vom Jahreszeitraum abzurücken."

Expertengruppen

Abseits der Öffentlichkeit wird im Handel seit einem Jahr fleißig entrümpelt und vereinfacht. Bis zu einem Jahr noch soll in Ruhe in kleinen Expertengruppen gearbeitet werden, um ein neues Paket für die Kollektivverträge vorzulegen. Zwischenergebnisse legen die Sozialpartner bewusst keine vor.

Österreichs Handel basiert auf einem vielfach veralteten Gehaltsschema, dessen einzelne Puzzlesteine selbst für Experten schwer zu überblicken sind. Lohntabellen variieren je nach Bundesland und Branche, viele Berufsbilder gelten als nicht mehr zeitgemäß. Vorrückungen und Zuschläge für Dienste am Wochenende und abends erfordern Spezialisten, provozieren Fehler und Missbrauch - nicht zu reden von zig Einzelverträgen und Ausnahmeregelungen.

Sonntagsöffnung

Es sei wie Läusemelken, seufzt ein Betroffener, der viel Hoffnung in das mit heißen Kartoffeln gefüllte Paket legt. Die Zusammenarbeit der Sozialpartner soll bisher dennoch äußerst gut verlaufen, ist quer durch die Branche zu hören. Aktuell werde auf beiden Seiten intensiv gerechnet.

An öffentlich geführten Debatten im Handel fehlt es im Herbst dennoch nicht. Proyer will demnächst Betriebsräte mobilisieren, um auf bestehende falsche Lohneinstufungen hinzuweisen. Auch der stete Streit um eine Sonntagsöffnung in Wien ist vor Wochen neu entflammt. In der Regel entschlummert er mit Jahresanfang. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 31.10.2014)

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